Hebammenpolitik 23.02.2011

Wie erklären Sie sich, dass die erfolgreichste Petition seit Bestehen der Bundesrepublik
sang- und klanglos ohne jede Konsequenz vorbeiging ?

Das Einzige, was als Nachwirkung dieser Hebammenpetition E- 11400 übrig bleibt, ist die Diskusion über die Nützlichkeit der Kontrolle von Arbeitsweise und Einkommen der freiberuflichen Hebammen. Für diese statistische Daten- Erhebung haben die Politiker ausreichend Mittel zur Verfügung. Die Politik lässt sich selbst nichts mehr einfallen, was ihre starke Lobby nicht will, dieser Verdacht liegt nahe.

Es gibt viele Gründe, freiberufliche Hebammen in Deutschland zu fördern und die Geburtshilfe neben der Geburtsmedizin und die individuelle Wahlmöglichkeit der Geburtsbegleitung im Interesse der werdenden Eltern zu erhalten. Der den Krankenkassen verursachte Kostenpunkt freiberuflicher Hebammentätigkeit ist im Gegensatz zu klinischer Geburtsmedizin mit anschließendem stationären Aufenthalt der gesunden Wöchnerinnen verschwindend gering. Geburtshilfe sollte nicht zur Sectiovorbereitung verkommen. Auch wäre es volkswirtschaftlich sinnvoll und durch politische Mithilfe möglich, die Umwandlung von arbeitswilligen und fähigen Hebammen in Arbeitslose und 400- Euro- Jobber zu stoppen.

Stattdessen wird ein Institut beauftragt, Daten über freiberufliche Hebammen zu sammeln. Nach Beendigung und Auswertung dieser Datenerhebung stellt sich die Frage, wem der Aufwand nützen soll. Den freien, geburtshilflich arbeitenden Hebammen wohl nicht, denn in absehbarer Zeit werden Sie, bei bestehenbleibenden Arbeitsbedingungen, mehr geburtshilflich- aktive Hebammen im fernen Ausland finden als hierzulande. Ich lasse mich gern vom Gegenteil überzeugen, gehe aber davon aus, das ein geduldiges Abwarten auf bessere Zeiten eine Streichung der Hinzuziehungspflicht bedeutet.

Damals zum Beispiel, 1985 verabschiedete der Bundesrat ein neues Hebammengesetz. Zu der Hinzuziehungspflicht einer Hebamme zu jeder Geburt hätten deutsche Ärzte gern die Hinzuziehungspflicht eines Arztes zu jeder Geburt gefordert. Das ein Arzt eine Hebamme zur Geburt hinzurufen muss, ist bis heute, nicht ohne Widerstände, so geblieben. Die Anwesenheit eines Arztes oder einer Ärztin ist bei normalen Geburten auf Wunsch der Eltern möglich, aber per Gesetz nicht erforderlich. In dem Hebammengesetz von 1985 wurden die von Hebammen erbrachten Dienstleistungen, wie z.B. die Schwangerschaftsbetreuung und Geburtsvorbereitung nicht in die Gesetzgebung aufgenommen, weil der damalige Hebammenmangel diese gesetzliche Forderung nicht hätte erfüllen können. Was meinen Sie, bringt uns die nächste Hebammengesetzes- Änderung ?

In jedem Fall ist für diesen Fall eine starke politische Lobby von Nöten, daran lohnt es zu arbeiten.
mit freundlichen Grüßen

Liane Ullmann

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