Hebammenpolitik 22.12.2010

Weihnachtsprotestbrief an Krankenkassen, GKV, Gesundheitsminister

Brief von Frauen an Krankenkassen

Ich wünsche mir zum Fest der Familie von meiner Krankenkasse


Liebe Kolleginnen,
Anbei findet ihr einen Weihnachtsprotestvorschlag  für Frauen, die bereits Kinder mit Hebammenhilfe bekommen haben. Wenn ihr Lust habt, könnt ihr den gerne an Eure Frauen weiterschicken, so dass die Krankenkassen zu Weihnachten oder Jahresende geballte Protestpost von ihren Mitgliedern bekommen.

Auf dass wir alle weiterhin bzw. wieder Frauen allerorts individuell bei ihren Geburten begleiten können!

Herzliche Grüße, geruhsame Weihnachten und alles, alles Gute für Euer neues Jahr,
Nitya Runte

Liebe Frauen,
Viele von Euch/Ihnen haben sich im Mai mit Hilfe der DHV-Petition bereits für den Erhalt individueller Geburtshilfe, wohnortnaher Hebammenversorgung und Wahlfreiheit bezüglich des Geburtsortes eingesetzt.
Trotz der immensen öffentlichen Unterstützung (ca.186.000 Zeichnungen) bleibt für dieses Jahr leider zu berichten, dass bereits 30% der freiberuflichen Hebammen die Geburtshilfe aufgeben mussten.
Sofortmaßnahmen oder Übergangslösungen sind bisher nicht ergriffen worden. Krankenkassen haben mit ihrer unzureichenden Vergütungspolitik, die auch unabhängig von den exorbitant gestiegenen Haftpflichtkosten seit Jahrzehnten besteht, gezeigt, dass sie weiterhin weder den Präventivcharakter noch die Kostenersparnisse, die originärer Hebammenarbeit inne wohnen, wertschätzen.
Der Deutsche Hebammenverband(DHV) hat deshalb einen Vordruck kreiert, mit dem sich schwangere Frauen bei Ihren Kassen beschweren und ihren Anspruch auf Hebammenhilfe einfordern können.

Da aber darüber hinaus vor allem Mütter, die bereits individuelle Hebammenbetreuung erfahren haben, am besten wissen, wie wertvoll für Sie diese Unterstützung war, möchten wir auch diesen Frauen einen Vordruck zukommen lassen, der sich an die DHV-Briefvorlage anlehnt und nach Belieben den eigenen Wünschen angepasst und weitergeschickt werden kann. Vielleicht wird die eine oder andere schmunzeln müssen über die Formulierung:
Eigentlich war für mich klar, ich möchte noch ein weiteres Kind bekommen, aber dies bitte unbedingt wieder mit meiner eigenen Hebamme!…”.
Falls Ihnen/Euch das gar zu unpassend erscheint, kann man sich natürlich auch für die eigenen Kinder später eine persönliche Geburtsbegleitung wünschen.
Da uns von dem politischem Karikaturisten Klaus Stuttmann diese Weihnachtskarte (siehe Anhang 1) zur Verfügung gestellt wurde, war es mir ein Anliegen zum Fest der Familie, noch einmal um Ihre/Eure Unterstützung bezüglich einer geballten Email- und/ oder Briefaktion gegenüber Krankenkassen, GKV und Gesundheitsminister zu bitten, die aus der Weihnachtskarte und einem der beiden Briefvorschläge bestehen könnte.
Wir Hebammen werden immer weniger und können uns nur mit weiterhin breitem Öffentlichkeitsdruck Gehör verschaffen.

Unsere Initiative Hebammen für Deutschland befindet sich zur Zeit im Prozess der Vereinsanerkennung.
Wir freuen uns, dass Euch/Ihnen im neuen Jahr unsere neue, überarbeitete Internetseite zur Verfügung stehen wird, auf der es mehr Hintergrundwissen, eine Newsletterfunktion, Anregungen zu Protestaktionen, Unterstützungsmöglichkeiten, Geburtsberichte und in Kürze auch Filme zum Thema Geburt geben wird.

Wir werden uns weiterhin dafür einsetzen, dass es 2011 zum entscheidenden Umschwung kommt und freuen uns über jede Form der Unterstützung (Anregungen, Kritik, Hilfsangebote, Kontakte etc.) von Euch/Ihnen.

.…denn es ist nicht egal, wie wir geboren werden!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen/Euch allen geruhsame Weihnachtsfeiertage und ein gesundes, frohes, neues Jahr!

Herzliche Grüße,

Nitya Runte
-Hebamme-
Hermann-Josef-Schmitt-Str. 26
50827 Köln
Telefon: 0221/595 22 76
Mobil: 0178/498 25 68
E-Mail: info@hebamme-nitya-runte.de
www.hebamme-nitya-runte.de

Hebammen für Deutschland
Initiative zum Erhalt individueller Geburtshilfe
www.hebammenfürdeutschland.de

Medienbeauftragte “Berufshaftpflicht” des
BfHD, Bund freiberuflicher Hebammen Deutschlands e.V.
www.bfhd.de

An Ihre Krankenkasse:                                                         Ihre eigene Adresse:

…..                                                                                        ….

in Kopie an:

GKV-Spitzenverband

Mittelstraße 51

10117 Berlin

Bundesministerium für Gesundheit

Herrn Dr. Phillip Rösler

Friedrichstraße 108

10117 Berlin                                                                         Ort und Datum

Sehr geehrte Damen und Herren,

Weihnachten steht vor der Tür und als Mitglied Ihrer Krankenkasse erlaube ich mir, Ihnen mit anhängender aktueller Weihnachtskarte einen großen Wunsch bezüglich dem Fest der heiligen Familie mitzuteilen und hoffe, Sie werden ihn im kommenden Jahr 2011 berücksichtigen.

Ich bin Mutter und habe in meiner/meinen letzten Schwangerschaft(en) immer von meinem Recht auf individuelle Hebammenbetreuung unter der Geburt Gebrauch gemacht.

So konnte ich mein(e) Kind(er) aus eigener Kraft, ohne die heute häufig unnötig durchgeführten teuren geburtsmedizinischen Interventionen gesund auf die Welt bringen. Dies schreibe ich in großem Maßen der kompetenten und bestärkenden Hebammenbetreuung, die ich dabei erfahren habe, zu und die mir ermöglichte meine Schwangerschaft zu genießen und mich gesund zu fühlen. Ich habe in der Zeit der Schwangerschaft , als auch jetzt als Mutter, viele Frauen kennengelernt, die keine eigene Hebamme hatten, als Risikopatientinnen eingestuft wurden, sehr angstbesetzt in ihre Geburten gingen und häufig einen Kaiserschnitt bekamen.

Eigentlich war für mich klar, ich möchte noch ein weiteres Kind bekommen, aber dies bitte unbedingt wieder mit meiner eigenen Hebamme!

Jetzt musste ich erfahren, dass innerhalb eines Jahres 30 % Prozent der Haus-, Geburtshaus- und Beleghebammen, keine Geburtshilfe mehr anbieten können.

Die Vergütungen durch die Krankenkassen entsprechen  nach der Schiedsgerichtentscheidung weiterhin nicht dem hohen Maß an Verantwortung und sind  so gering, dass die freiberuflichen Hebammen die steigenden Unkosten, wie z.B. die massiv erhöhten Haftpflichtprämien, nicht mehr bezahlen können.

Ich bin ärgerlich, dass Sie als meine Krankenkasse  Hebammenarbeit nicht angemessen vergüten, mit der Gesundheit von Frauen und Kindern spielen und unsere Wahlfreiheit aushöhlen.

Abgesehen davon, dass es uns alle teuer zu stehen kommt, Geburtsmedizin statt Geburtshilfe zu hofieren und einen Anstieg der Kaiserschnittrate von 18 auf über 30 Prozent kritiklos hinzunehmen.

Nach §134 a SGB V haben Krankenkassen den Bedarf an Hebammenhilfe durch geeignete Verträge mit Hebammen sicherzustellen.

Ich fordere Sie deshalb auf, umgehend dafür zu sorgen, dass die wohnortnahe Versorgung mit Hebammen zukünftig erhalten bleibt bzw. wieder ausgebaut werden kann. Es muß langfristig möglich sein, nicht nur in großen, unter Umständen weit entfernten Klinikzentren, sondern auch in kleinen Belegkrankenhäusern vor Ort, Geburtshäusern oder zu Hause ein Kind zu bekommen.

Es kann nicht sein, dass nur solche Zentren, deren Kaiserschnittrate besonders hoch ist, finanziell so ausgestattet werden, dass sie überleben können.

Ich würde mich freuen, von Ihnen zu erfahren, wie Sie das Recht auf Wahlfreiheit unter der Geburt und individuelle Betreuung Gebärender schützen werden und wünsche Ihnen und uns Frauen in diesem Sinne ein erfolgreiches neues Jahr und gesegnete Weihnachten.

Mit freundlichen Grüssen,