Hebammenpolitik 22.02.2011

“Ein ganzer Berufsstand droht auszusterben, und es ist erstaunlich,
dass aussterbende Tierarten gesetzlich unter Schutz gestellt werden,
aber ein gesellschaftlich bedeutsamer Beruf dem freien Markt
zum Opfer fällt und niemand sich verantwortlich fühlt;” soweit die These…

Ein Versicherungsmann sagte mir: “Hebammen fehlt die politische Lobby, ich weiß auch nicht warum, aber es ist so. Das Risiko der Geburtshilfe muss als individuelles Risiko von jeder Hebamme selbst getragen werden, ein Solidaritätsprinzip gibt es nicht. Die Versicherungen wollen etwas verdienen, das ist bei dieser Dienstleistung wegen des kostspieligen Risikos nicht gegeben, deshalb ziehen sie sich aus dem Geschäft zurück. Und die Krankenkassen legen großen Wert auf die Vorlage der Versicherungspolice, weil sie mit der Hebamme einen Vertrag geschlossen haben und diese im Namen der Krankenkasse die Geburtshilfe als Dienstleistung erbringt. Bei Unterversicherung der Hebamme wird die jeweilige Krankenkasse nach § 823 BGB mit Schadensersatzansprüchen ggf. belangt und haftbar gemacht.” Es geht also um Kontrolle und Geld, nicht um menschliche Werte, Solidarprinzipien oder dergleichen. Das hat den Vorteil, dass jede Hebamme ihren eigenen Versicherungsvertrag mit einer Versicherung wegen des individuellen Risikos aushandeln könnte, wenn da nicht die flächendeckende Annahmesperre des ” Risiko Hebamme mit Geburtshilfe” wäre.

Die wenigen offiziellen Versicherungsangebote, die zur Ausübungsberechtigung der Geburtshilfe in Freiberuflichkeit führen, würde ich als Diskriminierung von Hebammen zur Förderung eines frauenfeindlichen Konstruktes mit der Zielsetzung einer Neoinquisition bezeichnen. Ein Scheiterhaufen auf dem Marktplatz wäre wohl zu auffällig. Viele Hebammen wechseln notgedrungen in den gewerblichen Bereich, was der industriellen Lobby wieder zugute kommt.
Die Feststellung, dass Hausgeburtshebammen nicht wirklich gewollt sind, wurde mir von anderer Seite bestätigt.

In den besonderen Bedingungen und Risikobeschreibungen zur Haftpflichtversicherung für selbstständig Tätige im Gesundheitswesen heißt es für Hebammen: “Sofern vereinbart und im Versicherungsschein genannt, ist mitversichert die gesetzliche Haftpflicht des Versicherungsnehmers aus Geburtshilfe. Ohne besondere Vereinbarung ist nur die Geburtshilfe mitversichert, zu der der Versicherungsnehmer im Rahmen seiner Erst-Hilfe-Leistung verpflichtet ist.”

Diese von Fachleuten erdachten Versicherungsformulierungen klingen für Hebammenohren recht seltsam: Bedarf eine Geburt nicht immer der “ersten” Hilfe ? Der Dammschutz, das Abnabeln oder die ” Erstversorgung eines Neugeborenen” könnten in jedem Fall eine Erste- Hilfe- Leistung darstellen.

Fazit: Mündige Frauen und freie Hebammen gibt es und wird es immer geben, im Zuge der Globalisierung werden sich nur die Regeln und Umstände ändern,

mit freundlichen Grüßen

Liane Ullmann