Hebammenpolitik 21.09.2013

Es gibt zunehmend Frauen, die aus der Not eine Tugend machen und den Hausgeburts- Hebammenmangel durchHebammenpolitik - violet flower Eigeninitiative kompensieren. Sicher, die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung sieht fern und konsumiert Elterninformationsmedien der AG`s und weiss genau, dass dieses Verhalten verantwortungslos ist. Und dennoch werden m. E. die geburtshilflichen Nachbarschaftshilfen und Alleingeburten genauso wie die Pfändungsquoten der Krankenkassen unaufhaltsam zunehmen. Lassen Sie sich von der Zukunft überraschen…

Geburtserfahrungsberichte im Internet gibt es viele, aber dieser hier ist in punkto Eigeninitiative etwas Besonderes: http://alleingeburt.jimdo.com/dritte-geburt/

Diese Frau weiß,wovon sie redet. Kein iatrogener oder invasiver Eingriff, kein Hilfsangebot medizinischer Art hätte dieses Geburtserlebnis für Mutter und Kind optimaler gestalten können.
Unkontrollierte Geburt versus Geburtsmedizin. Natürlich kann immer was passieren, womit Außenstehende nicht gerechnet haben. Geburt und Sterben geschieht heute wie vor 1000 Jahren. Machen Sie sich keine Illusionen, zuhause sterben heutzutage die Wenigsten.

Die Institutionalisierung des Reproduktionsprozesses bringt die weibliche Intuition ins Schwanken und provoziert Unregelmäßigkeiten im Geburtsprozess, die man dann durch Medizin- und Apperatetechnik korrigieren möchte. Weibliche Intuition ist geerdet, im Gegensatz zum wissenschaftlichen Fortschritt, der zum Himmel stürmt. Wissenschaftlichen Fortschritt ohne Risiko gibt es nicht. Tatsächlich trägt nicht die Wissenschaft das Risiko, sondern der Patientenstamm.
Manch alteinesessener Klinikhebamme ist der Blick für diese Zusammenhänge verlorengegangen.

Die Irritationen durch Geräte und Eingriffe erzeugen oft neue Unregelmässigkeiten und Gefahrenmomente im Geburtsverlauf. Nicht umsonst werden 1/3 aller Schwangeren auf dem OP- Tisch mittels großer Bauchoperation von ihrem Kind befreit. Die Ruhe und Zufriedenheit direkt nach der Geburt im vertrauten Wohnumfeld mit der Familie und den Geschwisterkindern, wie sie im Artikel
http://alleingeburt.jimdo.com/dritte-geburt/ beschrieben wird, war vor 60 Jahren nicht ungewöhnlich, auch nicht bei BEL und Zwillingen. Gebären ist ein natürlicher Wirkmechanismus. Wenn Ihnen die Nase kitzelt, müssen sie niesen. Wenn das Kind bei der Geburt auf dem Darm drückt, haben sie den Drang, die Toilette aufsuchen zu wollen, weil etwas herausdrängt…erst das Dünne, dann das Dicke und dann das Kind, der Reihe nach…Haben sie das schon mal liegend probiert? Von schwangeren Frauen wird so etwas regelmäßig in Kreisbetten verlangt…Bauch erdwärts, Kopf erhoben wäre eine natürliche Variante.

Was die Natur kann, sollte man nicht stören. Die US- Amerikaner sagen: was gut funktioniert, wird nicht repariert- Finger weg!

Heute berichtet die Statistik von 99 % klinischen Geburtsverläufen. Das althergebrachte Hebammenwissen stirbt, neo-liberal gewollt, aus. Und weil die BEL- Kinder heute fast ausschliesslich per Kaiserschnitt auf die Welt kommen,lernen Ärzte das geburtshelfende Handwerk am Phantom und selten in der Praxis. Angst bis Anspannung sind bei klinischen, spontanen BEL- Geburten selbstverständlich. Es sind heute höchst seltene Ereignisse mit langer Vorarbeit. Damals wurde das weibliche Becken in der Schwangerschaft noch geröntgt, heute wird innen oder aussen gemessen, mittels Innen- und Aussen- Beckenzirkel, oder per US oder MRT, um Einblick zu wahren.
Das es sich bei jeder Geburt um einen empfindsamen, fliessenden Anpassungsvorgang zwischen Mutter und Kind handelt und die Beckenmaße nicht als kalkulierbare statische Berechnung verallgemeinert werden können, wird klinikseits gern übersehen. Die Fehlerquoten sind ignorierbar, das Krankenhaus erhält bei einer Lebensrettungsaktion per Kaiserschnitt den doppelten Gebühren- Satz und die Dankbarkeit der Eltern.

Freien Hebammen sind Zwillings- und BEL- Geburten per Berufshaftpflichtvertag, welcher der GKV im Original vorzulegen ist, mittlerweile von Haftpflicht- und GKV- Seite untersagt. Tun sie es doch, stehen sie mit einem Bein oder mit zweien im Gefängnis ohne -Berufshaftpflicht- Hilfe. Geburtswillige Frauen mit BEL- Kindern finden heute keine Alternativen… In humanitären Krisenzeiten, wie beispielsweise in unserer letzten demokratisch gewählten Diktatur vor knapp 70 Jahren, interessiert es niemanden, unter welchen Umständen Sie ein Kind bekommen. Die damaligen Erfahrungsberichte sind sehr aufschlussreich. Eine Lebensversicherung bleibt nicht nur nach § 89 VAG eine Illusion, auch in der Geburtshilfe ist es unter entsprechenden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen nicht anders. Interessieren sie sich für Geschichte, es gibt keine 100% ige Garantie, dass sie sich nicht wiederholt…und bleiben sie realistisch.

Nichts gegen das Lobby- Streben nach einer brasilianische Sectio- Rate. Nichts gegen eine Finanzkrise. Wer 1 und 1 zusammenzählen kann, weiss um die Bedeutung des Gebärens und die Wichtigkeit der Hebammenkunst.