Hebammenpolitik 18.12.2012

Die neu aufgelegten Quittierungsbögen mit der Abrechnungsmöglichkeit des Sectionahtziehens gegen Unterschrift sind seit einer Weile verfügbar.

Jede Sprechstundenhilfe leistet den selben Service. Eine Hebamme- ohne Geburtshilfe- mag noch so berufserfahren und qualifiziert sein, ihre Arbeitsanforderungen reichen bei weitem nicht an ihre eigentliche Qualifikation ihrer speziellen Berufskompetenzen heran. Babywiegen und Blutdruckmessen könnten Eltern heutzutage problemlos selbst bewerkstelligen. Hebammen ohne Geburtshilfe arbeiten in einem Leistungsbereich unterhalb ihrer Qualifikation, sind unterbezahlt und von ihrem eigentlichen Berufsschwerpunkt ausgegrenzt. Outsourcing- Unternehmen der Kinderschutznetzwerke leiden gewöhnich unter chronischem Hebammenmangel und sind ambitioniert, das zur Verfügung stehende Personal mittels Schnellschulungen wochenbett- Pflege- tauglich zu machen. Selbst kurzzeitqualifizierten Leuten, wie beispielsweise Ehrenamtlichen, wird diese Arbeit zugetraut. Um so mehr Hebammen die Koffer packen, um so mehr Billig- Ersatz wird es in Deutschland geben. Dieser Satz lässt sich aber auch umkehren. Umso mehr Berufsfremde und Schnellqualifizierte die Wochenbett- Arbeiten übernehmen, um so mehr Hebammen sehen sich gezwungen, die Koffer zu packen. Die Organisationsstrukturen sind vorhanden und werden von Regierungsseite und Krankenkassen per Gesetz gefördert.

Vielen Hebammen tut die Arbeit ohne Geburtshilfe zeitweise gut, weil die Hausbesuchs- Termine flexibler und zu menschenwürdigen Zeiten gesetzt werden können. Freie Beleghebammen empfinden die zeitweise Aufgabe der geburtshilflichen Arbeit nebst 12 bis 24 Stunden-Rufbereitschaft wie einen lang ersehnten Urlaub. Manchmal braucht auch eine freiberufliche Hebamme einen Urlaub, aber auf Dauer ? Ich hörte freie Hebammen klagen, dass sie nicht wissen, wie sie nach einer Pause wieder in der Geburtshilfe Fuss fassen können, weil die Vor- Finanzierbarkeit ein Ding der Unmöglichkeit darstellt. Cave: Erst Berufshaftpflicht im vierstelligen Bereich bezahlen, dann arbeiten! Ohne gute Erbschaft oder Goldesel im Keller ist ein erfolgreicher Berufseinstieg fraglich…und deutsche Realität.