Hebammenpolitik 18.02.2011

Eine Hebamme ist per definitionem eine Geburtshelferin, wieviel Schizophrenie
muss ich aufbringen, um zu verstehen, dass mir acht Versicherungen in Deutschland eine “Berufshaftpflichtversicherung für Hebammen” ohne Geburtshilfe verkaufen wollen und nur zwei Versicherungsunternehmen zu finden sind, die dieses Risiko zeichnen würden.

Als Hebamme können Sie das Arbeitsrisiko ohne Geburtshilfe zu einer Jahresprämie in Höhe von 166 Euro versichern lassen, oder aber die gleiche Versicherungsdienstleistung bei einem anderen Versicherungsunternehmen für 2.337 EUR. Sie haben die Wahl. Ist Ihr Versicherungsvertrag schon älter, kann es durchaus sein, dass Sie mit einem Jahresbeitrag von 72 Euro gut versichert sind und das auch bleiben, Neuzugänge würden bei dieser, damals günstigen Versicherung,
momentan 200 Euro zahlen müssen.

Hebammen, die ihrem Arbeitschwerpunkt entsprechend in Freiberuflichkeit arbeiten, haben diese Wahlmöglichkeiten unter ökonomischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht. Berufsanfängerinnen schon gar nicht. Sie werden von der Möglichkeit des Vertragsabschlusses mitunter ausgeschlossen, weil eine Berufserfahrung von mindestens zehn Jahren vorausgesetzt wird.

Bei ausreichend Berufserfahrung können Sie Ihre Berufshaftpflicht mit Geburtshilfe bei dem einen Versicherungsunternehmen, welches keine Verbandsmitgliedschaft in Bfhd oder DHV voraussetzt, zu einer Jahresprämie von 5355 bis 5600 Euro erhalten. Die Versicherungen haben offensichtlich, bezüglich der Berufshaftpflicht für Hebammen, bestimmte Richtlinien auf höchster Ebene beschlossen. So ist ein Rundschreiben an die Versicherungsunternehmen ergangen, in dem sinnbildlich steht, dass das “Risiko Hebamme mit Geburtshilfe” von den übrigen Versicherungen wegen des hohen Risikos nicht mehr versichert werden dürfte.

Eine Anmerkung: Ein Pilot zahlt für seine Berufshaftpflicht 1700 Dollar im Jahr und transportiert tausende Leute mit seinem Flugzeug von Kontinent zu Kontinent. Der Beistand von Hebammen bei einer natürlichen Geburt eines Kindes wird als extrem gefährlicher eingestuft als die Flugpilotenarbeit ?

Das gibt zu denken, wer oder was macht hier wem Angst ?