Hebammenpolitik 16.03.2011

Die gläserne Geburt ?

Am Dienstag den 07.12.2010 war die Veröffentlichung eines normalen Geburtsvorganges per Video die Weltpremiere am Berliner Universitätsklinikum Charité: Einem Ärzteteam ist es erstmals gelungen, eine Entbindung mit dem Kernspintomographen (MRT) aufzuzeichnen.
Zitat: “Die Ärzte hoffen, durch derartige Dokumentationen kritische Phasen einer Geburt künftig früher und besser einschätzen zu können. Ist mehr zu den dreidimensionalen Bewegungsabläufen des Kindes während der Geburt bekannt, können Geburtshelfer beispielsweise durch entsprechendes Lagern der Frauen diese Bewegungen unterstützen und Notkaiserschnitte wegen Geburtsstillständen verhindern.” Quelle: http://www.focus.de/gesundheit/baby/news/weltpremiere-die-glaeserne-geburt_aid_579508.html

Statistische Datenerhebungen einzelner Probanden sind auf das Geburtsgeschehen aller Frauen schwerlich übertragbar.

Jede Schwangere ist ein Unikat, jedes Kind ist eigen in Größe, Temperament, Anatomie. Selbst die Vielfalt von Kindskopf- Formen und mütterlichen Becken bei der Geburt ähnelt einem Lotteriespiel. Die Anpassungsleistungen von Mutter und Kind sind unter der Geburt genial, wenn sie individuell und intim in Ruhe und Sicherheit gewährleistet sind. Ohne Intuition und Menschenkenntnis ist eine Geburtsbegleitung nicht möglich. Die individuellen Stärken und Schwächen wollen bei der Geburt berücksichtigt sein. Selbst die Tagesform der anwesenden Personen ist mitausschlaggebend für das Geburtsergebnis.

Hätten die Akademiker mal eine erfahrene Hebamme gefragt, dann wären sie genau so schlau geworden wie nach dem Experiment mit dem MRT. Aber Hebammenweisheit lässt sich nicht so lukrativ vermarkten wie ein weltweit einmaliges MRT- Video. Und sie verleiht keine Nobelpreise, keine Orden oder Pokale. Natürlich ist jede Geburt ein Wunder, für diese Erkenntnis braucht weder Schwangere noch Hebamme einen Kernspinntomographen und Lärmschutzkopfhörer.

Weitere fünf Geburtsbegleitungen per MRT sind seit Dezember geplant.
Diesen massiven Technikeinsatz unter der natürlichen Geburt sehen einige Mitbürger mit Sorge und das Experiment im Namen der Wissenschaft gab Anlass zur Beschwerde, siehe: MRT_Beschwerdebrief.pdf

Wie kann es sein, dass der plötzliche Kindstod mit Irritationen der bioenergetischen Wellen durch Starkstromleitungen, Lärm und Autobahnen in Verbindung gebracht wird und MRT gesundheitlich bedenkenlos ( gegen eine kleine Entschädigung im dreistelligen Bereich) durchgeführt werden kann. So harmlos, wie die Betreiber das starke Magnetfeld des Magnetresonanztomographen umschreiben, ist es offensichtlich nicht.  Gibt es irgendetwas, das Wissenschaftlern heilig ist ?

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