Hebammenpolitik 15.05.2012

Viele Hebammen, die nicht mehr von Ihren Berufseinnahmen, nach Abzug von Renten-, Kranken-, BWG-, und Berufshaftpflichtkosten, leben können, wechseln von der Freiberuflichkeit in die Selbstständigkeit.

Denn heutzutage eine unbefristete Vollzeitstelle als Hebamme zu bekommen, gleicht einem Sechser im Lotto und scheint unerreichbar. Und so macht frau das Beste aus den gegebenen Umständen.
Oder frau/ man arbeitet überwiegend selbstständig und nebenher geringfügig als freiberufliche Hebamme, einfach um die Sozialabgaben in überschaubaren, um nicht zu sagen, in überlebbaren Rahmen zu halten.
Wenn Sie nun glauben, mit der Selbstständigen- Strategie in Ruhe und Frieden leben zu dürfen, haben Sie sicher nicht mit den Geldschöpfungsideen unserer Bundesregierung gerechnet.
Zum 01.07.2013 sollen Selbstständige nach dem Gesetz rentenversicherungspflichtig gesprochen werden.
Beamte und Abgeordnete sind natürlich ausgenommen. Sie verwalten und erfinden nur diese Vorschriften und Gesetze, halten sich aber ansonsten aus der Problematik heraus.” Leute, die nicht arbeiten und ausschließlich von Kapitaleinkünften leben, sind ebenso von der Versicherungspflicht befreit”; Quellenhinweis:

http://www.deskmag.com/de/vielen-freiberuflern-droht-naechstes-jahr-das-aus-coworking-376

Was soll uns das sagen ? Wir haben noch nicht genug Altersarmut und Elternarmut und Hebammennot. Wir brauchen dringend weniger unrentable Selbstständige, welche einem Finanzamt, den Krankenkassen und der Rentenversicherung als untaugliche Sozialschmarotzer erscheinen mögen. Dieses Vorgehen gleicht einer Selektion.

Sind die durch DRV, BUND, GKV, PKV u.s.w. insolventzuschlagenden Selbstständigen denn als Hartz- IV- Empfänger von Amtswegen ergiebiger, weil flexibel vermittelbar ? Tja, da liegt der Hase im Pfeffer…. Selbstständige ohne Arbeit dürften nicht in der Arbeitslosenstatistik erscheinen, weil ihnen bei Antragstellung das Vorjahreseinkommen als fiktives Einkommen im Bedarfszeitraum des Folgejahres angerechnet wird und sie ggf. bzw. in aller Regel keinen Anspruch auf ALG II haben.

Kennen Sie einen Selbstständigen, welcher problemlos die Hilfe zum Lebensunterhalt erhielt, obschon er/ sie im Vorjahr das Existenzminimum oder gar mehr verdient hat ?
Ich ehrlich gesagt nicht. Es ergeht Freiberuflern wie Selbstständigen gleichermaßen seltsam und ich habe noch nicht in Erfahrung bringen können, ob sich der Sachverhalt auch ohne langwierige Sozialgerichtsdebatten lösen ließe. Bisher blieb die Suche nach unproblematischen Bewilligungen von Hartz IV für Selbstständige erfolglos.

Nunja, das Risiko der Insolvenz für Freiberufler und Selbstständige wird ab 01.07.2013 erheblich steigen, wenn die Gesetzesvorlage in deutsches Recht überführt wird. Ich weiss, es gibt Hebammen, die eine Rentenversicherungspflicht für erstrebenswert und sozial halten, nach dem Motto:”Jetzt erst recht”.
Aber wenn einem die soziale Absicherung wie ALG II trotz Bedarf von Staatswegen nicht zugesichert wird, kein Mindesteinkommen zum Lebensunterhalt bleibt und die Rentenpauschalen auch bei fehlendem Einkommen auf Grund der Gewerbeanmeldung zu zahlen sind und die Banken sich mit der Kreditvergabe und Darlehensbewilligung weiterhin so schwer tun wie bisher, sehe ich die Soloselbstständigen, Kreativen und das breit gefächerte Dienstleistungsangebot dieses Landes schwinden. Was übrig bleibt, sind Großkonzerne und deren Kartelle und Subunternehmen. Sollten Sie mit dieser Zukunftsprognose etwas Mühe haben, informieren Sie sich ausreichend:

Zur Petition “Keine Rentenversicherungspflicht für Selbständige” geht es hier. Die Petition läuft bis 22.5.2012.

Update: Auf Facebook existieren zwei Möglichkeiten, mit denen Sie sich einbringen können:

Facebook Gruppe: Keine Rentenpflicht für Selbständige

Facebook Event: E-PETITION GEGEN RENTENPFLICHT FÜR SELBSTÄNDIGE