Hebammenpolitik 15.02.2011

Sehr geehrte LeserInnen,

den gesamten gesellschaftlichen Bereich, zu dem die Geburtskultur zählt,
dem freien Spiel der Kräfte auf dem Markt zu überlassen,
ist gesamtgesellschaftlich recht bedenklich und das Resultat dessen
mit unserem Grundgesetz nicht vereinbar.

Durch extreme Verminderung der Versicherungsangebote
sind die Wahlmöglichkeiten bezüglich der Berufshaftpflicht
der freiberuflich- geburthilflich arbeitenden Hebammen absolut beschränkt
und zusätzlich durch erheblich steigende Prämien und Ausschlusskriterien erschwert.
Die Suche nach einer, unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten
dem Hebammen- Einkommen entsprechenden, Versicherungsprämie,
die das “Risiko Hebamme mit Geburtshilfe” zeichnet,
scheint in Deutschland aussichtslos, sodass die Anzahl der freiberuflich-
geburtshilflich tätigen Hebammen in Deutschland kontinuierlich abnimmt.

Die  inländischen  Versicherungsunternehmen lassen den Wettbewerb vermissen,
welcher nach europäischer Gesetzgebung vorhanden sein sollte.
Hebammen sind gezwungen, der GKV eine Berufshaftpflicht vorzuweisen, um ein Entgeld für ihre Arbeitsleistung erhalten zu dürfen, das deutsche Hebammengesetz bestimmt ein Übriges. Aus dieser Problematik können sich Hebammen per Gesetz und Dienstanordungen der GKV nicht befreien..
Der Machtmissbrauch von Institutionen bzw. Unternehmen liegt allgemein dann vor,
wenn jemand den Lebens-, Handlungs- und Denkspielraum einer anderen Person so einengt
oder verändert, dass sie sich wider Willen und ohne Möglichkeit zur Gegenwehr
fügen muss. Dieser Machtmissbrauch von Institutionen bzw. Unternehmen
macht es meiner Meinung nach notwendig, als Korrektiv den positiven Umgang mit Macht,
u.a. als legitime Begrenzung von Handlungsspielräumen, zu definieren.
So hat der Staat die Aufgabe, die Bildung von Monopolen und Kartellen zu erschweren,
wenn nicht gar auf dem Wege der Gesetzgebung zu verhindern und die Bewahrung
des wirtschaftlichen Wettbewerbs im Interesse des Gemeinwohls sicherzustellen.

Diesbezüglich ist die Ehrlichkeit der befragten Versicherungsmitarbeiter und die Motivation zu helfen teilweise bewundernswert. Hier einige Beispiele:

Nummer 1:

Sehr geehrte Frau U.,
wir nehmen Bezug auf Ihre Angebotsanfrage vom 07.01.2011….Ein Angebot zur Berufshaftpflichtversicherung können wir Ihnen aus geschäftspolitischen Gründen nicht unterbreiten. Das Risiko der Hebamme unterliegt bei unserer Gesellschaft der Annahmesperre.

Mit freundlichen Grüßen
O. S.

Nummer 2:

Sehr geehrte Frau U.,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Da wir grundsätzlich keine Heilberufe versichern, können wir Ihnen für Ihre Tätigkeit kein Angebot abgeben. Nun ein persönliche, private Einschätzung, da wir keine Beratung im Bereich Versicherungen für  “Endkunden” machen dürfen. Nach meiner Kenntnis ist es sehr schwer, für Ihre Tätigkeit eine Versicherung zu bekommen.
Ich habe mich einmal bei einem ehemaligen Kollegen schlau gemacht, welcher ein Sepzialist für Heilwesenversicherungen ist.
( Selbst in seinem Unternehmen wird kein versicherungsschutz für Hebammen mit Geburtshilfe angeboten )
Nach seiner Einschätzung ist der derzeit günstigste Versicherungsschutz nur über einen der zwei Berufsverbände  der Hebammen zu erhalten. Alle anderen Versicherer zeichnen dieses Risiko gar nicht, nicht mal diejenigen die Heilberufe versichern, oder zusehr hohen Beiträgen. Mir ist bewusst, dass die  ca. 3.800 € p.a. über den Berufsverband schon sehr hoch sind aber dieser Beitrag soll, im Verhätnis zu anderen Anbietern, noch günstig sein.
Gibt es vielleicht eine Möglichkeit, sich über Ihren Hauptarbeitgeber ( Krankenhaus ) zu versichern?
Es tut mir sehr leid, dass ich Ihnen keine anderen Hinweise geben kann. Als persönlich betroffener, unsere Tochter ist jetzt ein Jahr alt, finde ich es unglaublich verantwortungslos und schlecht, wie man mit Ihnen und ihren BerufskollegInnen umgeht.
Bei der Geburt und bei der Nachsorge hat uns unsere Hebamme so viel Kraft, Zuspruch und Unterstützung gegeben, dass wir im Grunde ewig in ihrer Schuld stehen. Es ist ein gesellschaftspolitischer Skandal, wie mit Ihnen umgegangen wird.
Leider hilft diese Erkenntnis nicht, denn auch wir versichern dieses Risiko nicht.
Viel Erfolg bei der weiteren Suche…
Für Rückfragen stehe ich Ihnen  gern zur Verfügung.

Mit herzlichen Grüßen

I. W.

Nummer 3:

Sehr geehrte Frau U.,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Leider bietet die H. AG keine Berufshaftpflicht für Hebammen an. Uns ist auch leider kein Mitbewerber bekannt der diese Absicherung anbietet. Wir empfehlen Ihnen sich an einen Versicherungsmakler in Ihrer Nähe zu wenden, welchen Sie damit beauftragen können einen geeigneten Versicherungsschutz für Sie zu finden.
Wir bitten um Ihr Verständnis. Bei Rückfragen rufen Sie uns bitte an. Wir sind gerne für Sie da.

Mit freundlichen Grüßen

D. B.

Nummer 4:

Sehr geehrte Frau U.,

Ihre nachstehende Anfrage bzgl. einer Haftpflichtversicherung für die Hebammentätigkeit wurde an uns von der S. aus Italien weitergeleitet. Wir, L. & S., sind als Versicherungsvermittler sowie im Marinebereich als Versicherungsassekuradeur tätig und arbeiten im Rahmen einer Zeichnungsvollmacht eng mit der S. zusammen. Da die S. selbst keine Haftpflichtversicherung anbieten kann, wurde Ihre Nachricht nun an uns weitergeleitet. Leider müssen wir Ihnen jedoch mitteilen, dass auch wir als L. & S. keinen entsprechenden Versicherungsschutz anbieten können, da es äußert schwierig ist, im deutschen Markt solch eine Haftpflichtversicherung zu platzieren. Es besteht jedoch die Möglichkeit die von Ihnen angefragte Versicherung über einen Spezial-Makler in Luxemburg über den Gynäkologenpool (unter den auch Hebammen fallen) einzudecken. Nachstehend finden Sie den entsprechenden Kontakt: A.AG Internationale Versicherungsmakler….

Anmerkung der Verfasserin: Es ist müßig, alle Anfragen und Anschreiben zu veröffentlichen, das ergäbe ein ganzes Buch.  Die hier aufgeführten, willkürlich ausgewählten, Versicherungen zeichnen das gesuchte Versicherungsrisiko nicht. Der internationale Versicherungsmakler A. AG in Luxemburg, wie hier im Beispiel 4 vermerkt, versichert akademische Berufe speziell Ärzte. Hebammen sind von ihrem Versicherungsschutz ausgeschlossen, wie von dieser A. AG schriftlich bestätigt wurde. Die weiterführenden Informationen der Versicherungen sind häufig unrichtig. Die Namen der Versicherungsunternehmen und Mitarbeiter sind uns bekannt und wurden zum persönlichen Schutz vorsorglich gekürzt,

mit freundlichen Grüßen

Liane Ullmann von
www.BeleghebammenVerzeichnis.com