Hebammenpolitik 13.10.2012

Ultraschalluntersuchungs- Angebote werden seit Jahren kommerziell als individuelle Gesundheitsleistung ausgebaut,dead rose zur Freude vieler Eltern. Für den Ultraschall gibt es keinen Beipackzettel mit der Auflistung möglicher Folge- und Nebenwirkungen, aber es gibt sie nachweislich….

Offener Brief
Ultraschall-Technologie – Verbraucherschutz
Dem Ministerium für Verbraucherschutz, z. Hd. Frau Ministerin Ilse Aigner
Dem Ausschuss für Verbraucherschutz im Deutschen Bundestag,
z. Hd. Herrn Hans-Michael Goldmann
Herrn Prof. Dr. med. Eberhard Merz – Krankenhaus Nordwest,
Steinbacher Hohl 2-26, 60488 Frankfurt am Main

Sehr geehrte Frau Ministerin Aigner, sehr geehrter Herr Goldmann,
sehr geehrter Herr Professor Merz,

in der Fachzeitschrift der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin „Ultraschall
in der Medizin“ lesen wir in der Augustausgabe 2012 Äußerungen zum Einsatz
des Ultraschalls (US) in der Schwangerschaft, die eindeutig eine Verharmlosung
dieser Technologie beinhalten. Wir werten diese Darstellung als Irreführung der Öffentlichkeit,
insbesondere der betroffenen Eltern. Vor allem sehen wir eine große Diskrepanz
zwischen den dort genannten Empfehlungen und der praktizierten Schwangerenvorsorge.
Unsere Kritik an dem Artikel bezieht sich auf drei Punkte:

1. Wir lesen: „Insgesamt gibt es derzeit keine Hinweise, dass das Ungeborene durch
eine Ultraschalluntersuchung in irgendeiner Weise geschädigt wird.“ Diese Behauptung
ist falsch. Prof. Merz selbst rät im selben Schriftstück vom häufigen Gebrauch
des US ab.
Tatsache ist, dass es eine Vielzahl von Experimenten im Tierversuch und ernst zu
nehmende Bedenken gegen den Einsatz von häufigem und lang andauerndem Ultraschall
bei Schwangeren gibt. Dies hat in den skandinavischen Ländern zur Reduzierung
auf zwei US-Untersuchungen während der Schwangerschaft geführt.
Von kontroversen Diskussionen in der Wissenschaft zu mechanischen und thermischen
Effekten auf fragile Zellen, z. B. des kindlichen Gehirns und der Knochen lesen
wir nichts in der Veröffentlichung.
Zu Risiken des Doppler Ultraschalls, fehlerhaften Befunden, vielfach belegten
Falschmessungen zur Gefährdungslage des Kindes während der Geburt, Größe, Gewicht
und Fruchtwassermenge, sagt der Artikel auch nichts. Auf Falschmessungen
folgen aber entsprechend weitreichende medizinische Eingriffe in der Schwangerschaft
und während der Geburt.

2. In der genannten Veröffentlichung heißt es: „Ultraschalluntersuchungen in der
Schwangerschaft sollten nur von Ärzten mit entsprechender Aus- und Weiterbildung
und nur dann durchgeführt werden, wenn sie wirklich notwendig sind..“.
Tatsache ist aber, dass Ultraschalluntersuchungen seit Jahren ohne Notwendigkeit
angeboten und kommerziell immer weiter ausgebaut werden. Als „Individuelle Gesundheitsleistung“
(IGeL) verschleiert, wird werdenden Eltern diese Dienstleistung
verkauft. Das ist Missbrauch auf Kosten von werdenden Eltern und Kindern.
Denn es geht hier um die Profite, die von Ärztinnen mit diesen Untersuchungen erzielt
werden. Im Raum Hannover ermittelten wir folgende Entgelte für Ultraschall IGe-
Leistungen (bei Privatpatienten mit entsprechender Vervielfältigung der Beträge):

Flatrate !! Ultraschall (bei jedem Arztbesuch) 95,00 €
Ultraschall – „Baby TV“ 1 x 26,30 €
Doppler US 52,50 €
3D/ 4D US incl. Bildern 78,90 €
30 Min. US Feindiagnostik 190,00 €
Film auf DVD 100,00 €

3. Der Artikel spricht sich ausdrücklich gegen Ultraschalluntersuchungen aus, die nur
zum Zweck des „Babyfernsehens“ auf Wunsch der Eltern durchgeführt werden.
Damit wird der Eindruck erweckt, dass es die Eltern selbst sind, die für die Nachfrage
verantwortlich sind, statt dass die medizinisch Verantwortlichen in die Pflicht genommen
werden. Die Verdrehung von Zuständigkeiten und das Abschieben der Verantwortung
auf irregeleitete junge Eltern ist unredlich.
Tatsache ist: Eltern als Zielgruppe für Individuelle Gesundheitsleistungen können
nicht wissen, dass ihre Arztpraxis damit zum Marktplatz wird. Über ein Produkt, an
dem er/sie verdient, wird der Arzt/die Ärztin kaum umfassend aufklären. Immerhin
lehnen aber 38,3 % von über 440 befragten ÄrztInnen Individuelle Gesundheitsleistungen
als unseriös ab. (Zok, K.: Wissenschaftliches Institut der AOK, Vortrag 25.
Juni 2012 in Berlin.)
Hier werden also in unvertretbarer Weise Dienstleistungen mit einem Medizinprodukt
angeboten, die eine Gefahr für das Ungeborene darstellen, weil , – etwa durch leichtfertige
Dauer- oder Vielfach-Beschallung – Schädigungen des Kindes möglich sind.
Hier ist Verbraucherschutz gefordert.
Wir fordern vom Gesetzgeber:
– Erweiterung des gesetzlichen Mutterschutzes, um missbräuchliche Nutzung von
medizinischer Technologie zu verhindern und
– Ausweitung des Kinderschutzes auf die Zeit vor und während der Geburt.
Wir fordern die „Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin“ auf,
ÄrztInnen ihre Zertifizierung abzuerkennen, wenn die Ultraschall-Technologie
bei schwangeren Frauen zu kommerziellen Zwecken missbräuchlich eingesetzt
wird.

Offener Brief
Ultraschall-Technologie – Verbraucherschutz
www.greenbirth.de

Oktober 2012

Irene Behrmann Dr. Marianne Krüll
Erziehungswissenschaftlerin Sozialwissenschaftlerin
Vorsitzende GreenBirth e.V Wissenschaftlicher Beirat GreenBirth e.V