Hebammenpolitik 13.05.2011

Sehr geehrte Hebammen,

der Aufruf einer niederländischen Hebamme zeigt auch in den Niederlanden die Tendenz, die hebammengeleitete, natürliche Geburt zurückzudrängen. Ich leite die Stellungnahme und den Aufruf, den Frau Müller-Markfort (DFH) übersetzte, gern an Sie weiter, zur weiteren Verbreitung und zur Unterstützung der niederländischen Petition: http://autonomezwangeren.petities.nl

Mit freundlichem Gruß

Irene Behrmann, 1. Vorsitzende GreenBirth e.V.

Liebe Kolleginnen und Interessierte,

der untenstehende Aufruf ist natürlich eine Katastrophe: dachten wir doch, dass die ausserklinische, und hier im Besonderen die Hausgeburtshilfe, in den NL wenigstens noch gesichert sei.
Wie wir sehen, ist dem nicht so. Dies wird auch längerfristig Konsequenzen für uns haben. Wir können uns demnächst nicht mehr, zusätzlich zu Quag Ergebnissen, auf die guten Resultate der Kolleginnen “von nebenan” berufen – trotz widersprüchlichen Zeitungsberichten, wie vor einigen Wochen geschehen. Irgendwie kommt einem das Timing doch auch etwas spanisch vor….

Ich bitte alle Kolleginnen und Interessierte, die Petition zu unterschreiben. Allein das Gefühl, unterstützt zu werden, wird den Kolleginnen in den NL guttun und Mut geben, weiter zu machen. Indirekt profitieren wir doch alle davon! Es gibt eine englische Übersetzung, es ist möglich, sich mit engl. und niederl. da durch zu schlängeln…

Und- bitte weiterleiten!
Es wird zu überlegen sein, ob es nicht an der Zeit ist, auf europäischer Ebene tätig zu werden, da es ja in anderen Ländern auch grosse Probleme gibt.

Eva-Maria Müller-Markfort
Dipl. Hebamme – Graduate midwife
Pränatalpsychologin – Prenatal Psychologist
Bindungsanalytikerin – Bonding Analyst

Übersetzung der Präsidentin des Deutschen Fachverbandes für Hausgeburtshilfe e.V.:

Liebe Kolleginnen und Freunde des Hebammenberufes, wir brauchen Eure/Ihre Hilfe.

Niederländisches Hebammenwesen nähert sich einer Übergangsperiode in Bezug auf seine traditionelle Praxis, in der die normale Geburt zu Hause begleitet wird ohne medizinische Eingriffe.

Der niederländische Gesundheitsminister hat Pläne angesagt, eine Veränderung in der Regierungspolitik betreffend, und zwar weg von der kulturellen Tendenz, normale Geburten von Hebammen begleiten zu lassen, zu Gunsten eines mehr medikalisierten Herangehens.

Statistisch gesehen haben die Niederländer die höchste Hausgeburtsrate in der westlichen Welt, und die erfolgreichen und freudigen Erfahrungen vieler Frauen rechtfertigen die Weiterführung der häuslichen Geburt. Trotzdem spiegeln die populären Medien jetzt die Intention der Regierung in Richtung zu mehr Krankenhausgeburten wider. Eine Zeitschrift, die hauptsächlich von jungen Erwachsenen gelesen wird, zeigte neulich ein ganzseitiges Photo eines Neugeborenen mit der Unterschrift: “Versuch’ das bloss nicht zu Hause!”

Es wurde kürzlich bekannt gegeben, dass es schwangeren Frauen, die auf der nördlichen Insel Vlieland leben, nicht mehr erlaubt ist, ihre Kinder zu Hause zu gebären, da sie nicht im Radius von 30 km eines Krankenhauses mit geburtshilflicher Abteilung wohnen. Diese Auflage, die nun im ganzen Lande gilt, basiert auf einem von der Regierung in Auftrag gegebenen Report, der medizischer Risikoabschätzung den Vorzug gibt.

Politiker scheinen nicht in der Lage zu sein zu verstehen, dass die stationäre Betreuung “normaler” Geburten, unter der vorrangigen Meinung, dass “Sicherheit medizinische Überwachung verlangt” nicht nur unnötig ist, sondern auch weniger kosteneffektiv sein wird. Statistiken in anderen Gesellschaften zeigen, dass, sobald eine Frau den klinischen Bereich betritt, eine Kaskade klinischer Interventionen folgen kann.

Das etablierte niederländische Hebammenwesen ist nicht nur vom übergreifenden medizinischen Establishment bedroht. Obwohl noch viele Frauen sich für eine Hausgeburt entscheiden, sind viele Hebammenpraxen unter steigendem gesellschaftlichen Druck in der Ausübung ihrer Arbeit, bedingt durch eine hohe Zahl zu betreuender Frauen und begrenzten Ressourcen.

Das Übergreifen eines medizinischen Betreuungsmodells bedeutet, dass vermehrte Krankenhauseinweisungen für normale Geburten die Autonomie der Hebammen bedroht, die ihnen durch das Hebammengesetz von 1865 zugestanden worden war.

Daher ist es nicht nur äusserst wichtig für Hebammen und Hausgeburtsfrauen, sich der derzeitigen Tendenz zu widersetzen, es ist ebenso wichtig für Hebammen, ihre Forschungsgrundlage weiter zu entwickeln, um “normale Geburtspraktiken” zu validieren. Neue Forschungsfelder in den Bereichen Reproduktionsbiologie, soziale Beziehungen und anderen relevanten Themen sind unabdingbar, um eine Erhöhung der Ressourcen zu rechtfertigen.

Bezugnehmend auf die o.g. Faktoren bitte ich alle, die sich betroffen fühlen, dringend, diese Petition zu unterschreiben, die von einer niederländischen Hebamme, die im ländlichen Bereich praktiziert, erstellt wurde: http//autonomezwangeren.petities.nl

Es ist zu hoffen, dass die Politiker die Bedeutung eines etablierten Hebammenwesens erkennen, erhalten und weiterentwickeln, und dass sie ermutigt werden, überarbeitete Hebammen zu unterstützen, indem dass sie mehr nationale Ressourcen in die Hausgeburtshilfe einfliessen lassen.

Bitte unterschreiben Sie die Petition.

Ich bedanke mich im Voraus. Ich wünsche Ihnen einen “fröhlichen” Hebammentag nächsten Donnerstag.

Mit freundlichen Grüssen

Christina (Tine) Oudshorn, SRN, SRM, PGDip.ED. (staatl. gepr. Krankenschwester, staatl. gepr. Hebammen, postgrad. Diplom in Erziehungswissenschaften)

Der englische Original- Text lautet wie folgt:

Dear colleagues and friends in midwifery, we need your help,

Dutch midwifery is approaching a transitional period regarding its traditional practices where normal birth at home is managed without clinical intervention.

The Dutch minister of health has announced plans that indicate a shift in governmental policy away from the culture tendency of ‘normal birth’ managed by midwives, in favour of a more medicalised approach.

Statistically, the Netherlands retains the highest rate of home births in the western world and the successfully pleasurable experiences of many women justify the continuation of  domestic birth. However, the governmental intention to move towards more hospitalised birth is now being mirrored in the popular media. One newspaper read mainly by young adults recently carried a full front-page picture of a newly born baby with the caption: ‘Don’t try this at home!’.

It has recently been announced that pregnant women living on the northerly island of Vlieland will no longer be permitted to give birth at home because they do not live within a 30 kilometre radius of a hospital providing obstetric services. This requirement, that now applies to the whole of the Netherlands is based on a government sponsored report that privilege medical risk assessments.

Politicians seem unable to comprehend that hospitalising ‘normal’ births according to the overriding notion that “safety requires medical surveillance” is not only unnecessary but will also be less ‘cost effective’. Statistics in other societies show that once a woman enters the hospital realm, a ‘cascade’ of  obstetric interventions can easily follow.

Established Dutch midwifery is not only threatened from encroaching medical dominance. While many women continue to opt for homebirth, midwifery practices are under increasing social pressures to carry out their professional tasks with very high caseloads and limited resources.

The encroachment of a medical model of care means that increased hospitalisation of normal births threatens the  autonomy of midwives that was granted to them under the midwifery law of 1865.

Therefore, it is not only crucial for midwives and home birthing women to oppose the present tendency, it is also important for midwives to develop their research base to validate ‘normal’ birthing practices. Research innovations in the areas of reproductive biology, social relations and other relevant subjects are vital to justify an increase in resources.

With  regard to the above factors, I urge all those concerned to sign this  petition that has been prepare by a Dutch midwife who practices in a rural area: http://autonomezwangeren.petities.nl

It is hoped that politicians will see the sense of retaining and developing  established midwifery practices and will be encouraged to support overloaded midwives by investing more national resources in home birth.

Please sign the petition.

Thank you in advance. Wishing you a very ‘Happy’ Midwives Day, next Thursday.

Best regards,
Christina (Tine) Oudshoorn, SRN, SRM, PGDip ED. The Netherlands.

MISSION: CONSULTATION, WORKSHOPS AND COACHING TOWARDS MASTERLY INACTIVITY IN THE MIDWIFERY
FIELD AND PARTICULARLY RESPECT FOR THE NATURAL BIRTH PROCESS