Hebammenpolitik 12.11.2012

Die Menschen sterben heute vornehmlich ausserhalb ihrer Wohnung, so wie sie vornehmlich ausserhalb ihres gewohnten Umfeldes geboren werden.

Der Nachteil der gesellschaftlichen Ausgrenzung der Lebensübergänge könnte emotionale Isolation durch Abwesenheit von Familienmitgliedern, Verunsicherung durch den Ortswechsel, Transport oder Raumwechsel unter der Geburt, Einschränkung der freien Entscheidungsmöglichkeiten beim Essen, Trinken, Lagewechsel…. Abhängigkeiten vom Klinik- Personal und deren Entscheidungen sein. Angst bewirkt Verspannung, die führt mit Sicherheit zu Schmerzen….Frauen wünschen sich eine einfache, schmerzfreie Geburt, Kliniken bieten Schmerzmittel. Bis dahin sind sich beide Seiten einig. In dem Moment, wo Schwangere( scheinbar) die Kontrolle über ihren Körper verlieren, übernehmen Gynäkologen gern die Führung des weiteren Geburtsverlaufes nach ihren Vorstellungen. Dort scheiden sich die Geister. Die steigende Sectiorate hat einen Grund, sicher. Eine geglückte Geburt steht und fällt mit dem Personal. Und die gefällten Entscheidungen des Personals können überlebenswichtig oder todbringend sein.

Eigentlich gehen Menschen ins Krankenhaus, weil sie sich von dort Hilfe erhoffen. So geschah es in Irland. Die Illusion von Sicherheit in der Geburtsmedizin ist in Irland im Oktober 2012 wie eine Seifenblase geplatzt. Eine indischstämmige junge Frau in der 17. SSW ist hilfesuchend in einem Krankenhaus aufgenommen worden und nach tagelangen Schmerzen an Sepsis und Kreislaufversagen verstorben, siehe:
http://www.irishexaminer.com/breakingnews/ireland/savitas-parents-condemn-irish-abortion-laws-574311.html

Die gesellschaftliche Ausgrenzung der Lebensübergänge hat seine Vor- und Nachteile. Der Vorteil ist, dass in geburtshilflichen Problemfällen unliebsame Zeugen ohne weitere Erklärungen des Kreissaals verwiesen werden können und vor dem Kreissaal zu warten haben. Das ist haftungsrechtlich sehr praktisch und das Hauspersonal bleibt unter sich. Die Entbindende ist rechtlich gesehen nicht zurechnungsfähig, egal, was passiert. Notfalls können die Papiere fallbereinigt werden.

Wenn die hilfesuchende Patientin im rosigen Alter die Krankenhausbehandlung aber nicht überlebt, was dann ? Sarkastisch gesagt: “Ein Arzt ist wie ein Lotto- Los, es kann das Richtige sein oder auch nicht. Nicht jedes ist ein Sechser. Ebenso verhält es sich mit Medikamenten und deren Dosierungen”, siehe http://www.bfarm.de/DE/Pharmakovigilanz/pharmakovig-node.html

Das Risiko trägt, nach Krankenhaus- Vertragsvereinbarung, in jedem Fall die Patientin, auch wenn sie das Kleingedruckte wegen Schmerzen oder Wehentätigkeit bis dato nicht lesen konnte.