Hebammenpolitik 12.08.2011

Von einem Hebammeneinkommen ist ein “echter” Schadensfall nicht zu finanzieren. Aber die hierzulande abgeschlossenen Berufs- Haftpflichtversicherungen für freie “Hebammen mit Geburtshilfe” stellen keine hundertprozentige Absicherung einer kompetenten Hebammentätigkeit dar. Denn die Ausschlusskriterien- Liste wird von Jahr zu Jahr länger und das nach Versicherungsvertragsbedingungen erlaubte, zu betreuende Klientel wird demgegenüber immer kleiner.

Die Haftpflichtversicherungskosten trägt jede freie Hebamme allein und die GKV nutzt diesen Umstand natürlich zum eigenen Geschäftsvorteil, um bei eventuellen Eventualitäten die freien Hebammen haftbar machen zu können und das versuchen sie in aller Regel auch. Wenn irgend eine Angabe bei GKV- Vertragsabschluss die Eventualität einer freien geburtshilflichen Tätigkeit vermuten lässt, provoziert dies verstärkte Aktivität und es wird promt von GKV- Seite nach dem Berufs- Haftpflichtnachweis gefahndet.

Bei Vorliegen eines der gelisteten Auschlusskriterien zur Geburt ist ein Versicherungsschutz nicht zwingend gegeben. Ganz im Gegenteil. Wenn z. B. ein Neugeborenes als erstes seinen Fuß aus der Mutter streckt, aus welchem Grund auch immer…. oder nach dem ersten ein zweites Kind folgt, sieht es versicherungstechnisch düster aus. Die GKV ist bestrebt,in jedem Fall schadensfrei zu bleiben. Die Hebamme ist in solch einem Fall das schwächste Glied ( ohne Rechtsabteilung und Kapitalanlagen) und kann im Anschluss einer Verurteilung mit ihrem Privatvermögen haftbar gemacht werden.

Alles in allem ist die Arbeitsweise von Hebammen aber gar nicht so schlecht.
Die bei der AOK zu behandelnden Schadensfall- Bearbeitungen beliefen sich auf 21 ärztliche Schadensfälle und ein einziger zu prüfender Fall betraf die Hebammentätigkeit. Aber ein Versicherungsunternehmen ist mitunter schneller als ein Prüfgremium und bietet noch vor Gerichtsverhandlungstermin einen neuen Vertragsabschluss unter erheblich ungünstigerem Kostenpunkt, nach zügiger Aufhebung des alten Vertrages, an.

Eine Geburt ist…genaugenommen…wie Weihnachten, aber wer will und kann sich heutzutage noch überraschen lassen. Das Risiko einer niedergelassenen “Hebamme mit Geburtshilfe” scheint Versicherungsfachleuten, wenn man sich die Prämienentwicklung anschaut, hochgefährlich.

PS: Wussten Sie, dass Krankenhäuser ihre Angestellten nicht berufshaftpflichtversichern müssen und erheblich mehr Kinder in Krankenhäusern postpartum versterben als anderswo….Da wäre ein neuer Geschäftszweig für Versicherungsunternehmer lohnend.