Hebammenpolitik 11.10.2010

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Herrn Bundesminister
Dr. Philipp Rösler
Bundesministerium für Gesundheit
Friedrichstr. 108
10117 Berlin

Frankfurt/Main, 8. Oktober 2010

Offener Brief zur Erhöhung der Ärztehonorare

Sehr geehrter Herr Minister Rösler,

mit Fassungslosigkeit und Wut haben die im Bund freiberuflicher Hebammen Deutschlands
(BfHD) organisierten Hebammen das Ergebnis der Vergütungsverhandlungen zwischen
Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) und dem Spitzenverband der gesetzlichen
Krankenversicherung (GKV) vom 5. Oktober zur Kenntnis genommen.

Während der GKV die Hebammen exakt drei Monate vorher unter den Augen „neutraler
Schlichter“ mit Minimal-Erhöhungen brüskierte, die es keiner Hebamme erlauben, ihren
Lebensunterhalt mit ihrer Arbeit zu verdienen, schüttete der gleiche GKV nun ein Füllhorn
von einer Milliarde Euro über die niedergelassenen Kassenärzte aus. Zum Vergleich: für
Hebammenhilfe gibt der GKV alljährlich insgesamt gerade einmal 360 Millionen Euro aus.
Rein rechnerisch darf sich jeder der 150.000 Kassenärzte jetzt über fast 6.700 Euro mehr im
Jahr freuen, während eine selbständige Hebamme im Durchschnitt die ersten 12 begleiteten
Geburten im Jahr umsonst arbeiten muss, um allein nur die ins uferlose steigenden
Haftpflichtprämien bezahlen zu können. Dies alles, nachdem die Ärztehonorare bereits im
vergangenen Jahr um 6,1 % gestiegen waren.

Geradezu zynisch klingt es in den Ohren von Hebammen, wenn ein KBV-Funktionär sagt,
noch höhere Vergütungen wären durchaus möglich gewesen, weil diese bereits im
Beitragssatz der gesetzlichen Krankenversicherung für 2011 eingepreist seien. Den etwa
19.000 Hebammen hält man hingegen vor, man könne die Beitragsstabilität nicht aus den
Augen verlieren.

Die Ergebnisse der Vergütungsverhandlungen von Ärzten und Hebammen zeigen einmal
mehr, welch geringen Stellenwert in Deutschland neues Leben und das wichtigste Ereignis
im Leben eines Menschen, die Geburt, haben.

Tausende von Hebammen haben in den vergangenen Jahren mangels wirtschaftlicher
Perspektive ihren Beruf aufgeben müssen. Die garantierte freie Wahl des Geburtsortes
(Klinik, Hausgeburt, Geburtshaus) ist schon heute insbesondere in vielen ländlichen Gebieten
zur reinen Farce verkommen.

Herr Minister, tun Sie endlich auch etwas für Hebammen! Sonst wird in Deutschland in
wenigen Jahren der Kernbereich eines Jahrtausende alten Berufes Vergangenheit sein.
Lassen Sie es nicht so weit kommen!

Hochachtungsvoll

Susanne Schäfer

1. Vorsitzende des Bundes freiberuflicher Hebammen Deutschlands BfHD e.V.

Cc: Herrn Daniel Bahr, Parlamentarischer Staatssekretär MdB
Herrn Jens Spahn, Gesundheitspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im
Bundestag
Herrn Prof. Dr. Karl Lauterbach, Gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im
Bundestag
Frau Ulrike Flach, Gesundheitspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion im Bundestag
Frau Birgitt Bender, Gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag
Frau Dr. Martina Bunge, Gesundheitspolitische Sprecherin der LINKEN im Bundestag
Frau Ministerin Dr. Monika Stolz, Ministerin für Arbeit und Sozialordnung, Familien
und Senioren in Baden-Württemberg
Herrn Staatsminister Dr. Markus Söder, Bayerisches Staatsministerium für Umwelt
und Gesundheit
Frau Staatsministerin Christine Haderthauer, Bayerisches Staatsministerium für
Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen
Frau Senatorin Katrin Lompscher, Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und
Verbraucherschutz des Landes Berlin
Frau Ministerin Anita Tack, Ministerium für Umwelt, Gesundheit und
Verbraucherschutz des Landes Brandenburg
Frau Senatorin Ingelore Rosenkötter, Die Senatorin für Arbeit, Frauen, Gesundheit,
Jugend und Soziales in Bremen
Herrn Senator Dietrich Wersich, Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und
Verbraucherschutz in Hamburg
Herrn Staatsminister Stefan Grüttner, Hessisches Sozialministerium
Frau Ministerin Manuela Schwesig, Ministerium für Soziales und Gesundheit des
Landes Mecklenburg-Vorpommern
Frau Ministerin Aygül Özkan, Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Frauen,
Familie, Gesundheit und Integration
Herrn Minister Karl-Josef Laumann, Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales
des Landes Nordrhein-Westfalen
Frau Staatsministerin Malu Dreyer, Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit,
Familie und Frauen des Landes Rheinland-Pfalz
Herrn Minister Georg Weisweiler, Ministerium für Gesundheit und
Verbraucherschutz im Saarland
Frau Staatsministerin Christine Clauß, Sächsisches Staatsministerium für Soziales und
Verbraucherschutz
Herrn Minister Norbert Bischoff, Ministerium für Gesundheit und Soziales des
Landes Sachsen-Anhalt
Herrn Minister Dr. Heiner Garg, Ministerium für Arbeit, Soziales und Gesundheit des
Landes Schleswig-Holstein
Frau Ministerin Heike Taubert, Ministerium für Soziales, Familie und Gesundheit in
Thüringen
Die Mitglieder des Gesundheitsausschusses
Die Mitglieder des Petitionsausschusses