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Hebammenpolitik 09.09.2011

Ein Versicherer suchte just im Internet nach ” Berufshaftpflichtversicherung mit aktiver Geburtshilfe”. Glauben Sie ernsthaft, dass es eine [1] Unzahl ernstzunehmender Konkurrenten in Deutschland geben könnte ? Selbst den Versicherungsmaklern sind in Punkto kundenorientierter Auswahlmöglichkeiten für das Risiko” Hebamme mit Geburtshilfe” die Hände gebunden, um nicht zu sagen gefesselt.

Die Freiheit eines , nach Zivilrecht freistehenden, individuell aushandelbaren Haftpflicht- Versicherungsabschlusses, ist in Deutschland fast gleich null und die Wahlmöglichkeiten zwischen den maßgebenden Vertragseignern an drei Fingern abzuzählen, wobei der Kostenpunkt dafür sorgt, dass die Entscheidungsfindung für oder gegen Geburtshilfe recht zügig erfolgt. Haben Sie eben mal 4000 oder 5000 Euro übrig, um sich ein Anrecht auf Ihren Beruf zu sichern ?

Vor Arbeitsbeginn- versteht sich.

Aber was versteht ein Versicherungsunternehmen unter “aktiver” Geburtshilfe ?

Wenn es aktive Geburtshilfe nach Meinung von Versicherungsfachleuten gibt, gibt es, als logische Schlussfolgerung, auch passive Geburtshilfe :

Wenn ich neben einer Frau im Wohnzimmer sitze, und abwartend meinen Kaffee trinke….während neben mir ein Neugeborenes von einer aktiven Frau auf eine weiche Unterlage geboren wird… ist das versicherungstechnisch passive Geburtshilfe ? Ich könnte auch auf dem Balkon warten, im richtigen Augenblick zum Gratulieren hereinkommen und sofort die Wochenbettbetreuung beginnen. Das Abnabeln dürfte eine Erste- Hilfe- Maßnahme darstellen, und wäre bei einem Versicherungsvertrag “ohne Geburtshilfe” ev. laut Satzung mitversichert, was meinen Sie ? Vielleicht wäre es versicherungstechnisch sinnvoll, auf die Geburt der Nachgeburt zu warten und danach abzunabeln. Im Augenblick der Plazentaausstoßung ist die Geburt rein rechtlich vollständig abgeschlossen, also null Geburtshilfe und überschaubarer Versicherungskostenpunkt. Aber Spass beiseite !

Das zur Verfügung stehende Einkommen, gerade nach den recht häufig vorkommenden GKV- Rechnungskürzungen, ist für Hebammen, unter Berücksichtigung der nachfolgenden Sozialzwangsabgaben und der Haftpflichtzahlungen nicht so üppig, und die werdenden Eltern sind zunehmend bereit, eine nach individuellem Recht selbstgestaltete Geburt ohne organisierte Komplikationen selbst zu finanzieren, wenn kein anderer gangbarer Weg in Sicht ist.

Der Vertrag über die Versorgung mit Hebammenhilfe nach § 134a SGB V gilt für freiberuflich tätige Hebammen, die den maßgeblichen Vertragspartnern der GKV angehören. Für freiberuflich tätige Hebammen, die diesen Verbänden nicht angehören, gilt der Vertrag und die daraus resultierende Vergütungsregelung nur dann, wenn sie dem geschlossenen Vertrag ausdrücklich beigetreten sind. Hebammen, die weder den Hebammenverbänden DHV und BfHD angehören, noch dem Vertrag beigetreten sind, sind nicht als Leistungserbringer zugelassen…wohlgemerkt- als Leistungserbringer der GKV.

Und so ist es durchaus möglich, als Unternehmerin mit Hebammenexamen das Hebammengewerbe eigenverantwortlich zu organisieren, wenn die Klientel aus irgendwelchen Gründen die von der Krankenkasse gebotene Hebammenhilfe nicht in Anspruch genommen hat und somit gegenüber der Unternehmerin mit Hebammenexamen als Kundin auftritt. Die Gebührenordnung der GKV kann als Richtschnur gelten, wobei im Bundesland Sachsen erheblich mehr gesetzlich erlaubter Spielraum für die Preisgestaltung vorhanden ist und jede Unternehmerin sehr wohl die Einnahmen- und Ausgabenkalkulation zu beachten hat, wie alle anderen Unternehmer auch.

GmbH´s und Krankenhäuser funktionieren, ohne ihre angestellten Hebammen haftpflichtversichern zu müssen. Auch Zeitarbeitsfirmen, welche als Arbeitsvermittler Hebammen zu vermitteln wünschen, haben an der Übernahme von Berufshaftpflichtversicherungen wenig Interesse und auch keine Verpflichtung.
Die Forderung nach einer Versicherung ist hierzulande ausschließlich über GKV- und BfHD- und DHV- Verträge relevant, weil Sie sonst kein Einkommen für Ihre Arbeitsleistung erhalten.  Wenn Sie anders arbeiten, haben sie keine Versicherungspflicht. Allenfalls sich selbst gegenüber.