Hebammenpolitik 09.03.2013

Dass iatrogene Geburts-, Spät- und Folgeschäden sehr viel häufiger von Regressabteilungen bearbeitet werden müssen,star of jericho als freiberufliche Hebammenfolgen, bleibt in Elterninformationen ausgespart und haftungsrechtlich hilft der Umstand den freien Hebammen nicht, weil der gesamte geburtshilfliche Sektor von der Versicherungswirtschaft als sehr kostenintensiv angesehen und dementsprechend berechnet wird.

Prinzipiell kann man sagen, dass freie Hebammen gewissenhaft, professionell und intuitiv arbeiten. Intuition ist eine Fähigkeit, die nicht nur Hebammen, sondern auch alte, erfahrene Hausärzte allgemein auszeichnete. Ja, heute leben wir nicht mehr im Damals, sondern in der Neuzeit des wissenschaftlichen Fortschritts. Die Prioritäten der Ausbildungen von Ärzten und Hebammen sind nun anders gewichtet. Ärzte der nächsten Semester erlernen explizit Kunden-.., ach ja, Patientengespräche zu führen, eine heute wichtige Fähigkeit. Eine Zyste ohne Ultraschall zu fühlen oder andere beobachtende Begabungen stellen sich vielleicht später von allein ein. In erster Linie kommt die Medizintechnik- und Diagnostik zur Anwendung. Leider gehen die Gyn.- Praktiker, welche Professionalität und Intuition ohne schlechtes Gewissen miteinander zu verbinden wussten, langsam aber sicher in ihre wohlverdiente Rente. Und so geht es in manchen Krankenhäusern, nicht nur wegen des spärlichen Personalschlüssels, aufregend abenteuerlich zu. Einen Tag vor primärer Sectio fiel beispielsweise keinem Arzt, nur einer intuitiv beobachtenden Hebamme auf, dass die zwei CTG´s der ab 8. SSW dokumentierten Zwillinge zu 98 % identisch waren. Auf dem OP- Tisch gab es dann folgerichtig ein Kind zu bestaunen. Der Zwilling war unauffindbar. Den Kontrollultraschall hatten Facharzt und Oberarzt gemeinsam im Kreissal auf Verlangen dieser Hebamme durchgeführt und das Vorhandensein zweier gesunder Kinder, ganz nach Mutterpassdokumentation ihres Kollegen, bestätigt. Immerhin, was nicht ist, kann auch keinen Geburtsschaden erlitten haben, das entspannt die Rechtsabteilungen.

Die ärztliche Diagnose ” relatives Missverhältnis”, ist eine sehr beliebte Sectio- Rechtfertigung. Damit liegt Mann nie ganz falsch, es ist zu Anfang immer eng. Manches würde sich platzschaffend entfalten, wenn es die Gelegenheit hätte. Im Zuge der zwingenden Dienstvorgaben und häufigen Zeitknappheit ist das Zuwarten manchmal eine Zumutung für die Fachleute und die Eltern. Infolge der ärztlichen Diagnose muss manches Kind nach Sectiovorbereitung der Mutter, entgegen der Behauptung der betreuenden Hebamme, das Kind in vertikaler Gebärposition entbinden zu wollen, auf dem OP- Tisch von Ärzten, ungläubig über den plötzlichen Geburtsfortschritt, vor der Spontangeburt bewahrt werden….für hebammengeleitete Geburtshäuser und Hausgeburtspraktikerinnen unvorstellbar, gesundheitsgefährdend und geschäftsschädigend.
Wenn einem Neugeborenen nach ärztlicher Schwangeren- Vorsorge nach Mutterschaftsrichtlinie ein ganzes Bein fehlt, weil es nie gewachsen ist und alle Routine- Ultraschalls und Organscreening, zusätzlich ein Ultraschall bei Krankenhausaufnahme zur primären Sectio wegen BEL keine Auffälligkeiten zeigten, wobei die kreissaalbetreuende Hebamme auf Grund ihrer Intuition und ihres äusseren Tastbefundes mit der Frau das Thema Missbildung anspricht, wird klar, dass der Einsatz technischer Geräte nicht überbewertet werden sollte. Bei einem typisches Hypochondroplasie- Kind, das von Praxis und Krankenhaus im Mutterleib zum Ultraschall- Spezialisten überwiesen wurde, die Diagnosestellung aber bis zur Neonatalperiode auf sich warten ließ, wäre ein weiteres Beispiel. Das Berufen auf ein abgeschlossenes Hochschul- Studium und Ärztekodex allein reichen für die hierarchische Vorrangstellung in der geburtshilflichen Praxis nicht aus. Die Realität der ärztlich geleiteten Krankenhausgeburtsroutine könnte Schwangeren bis zur Geburt eine sicherheitversprechende Illusion sein.