Hebammenpolitik 08.09.2011

Die Hilfe bei der Entbindung wird in der Regel im Rahmen der Hebammenhilfe erbracht. Wird jedoch im Einzelfall auch ärztliche Hilfe bei der Entbindung notwendig, so besteht hierauf zusätzlich Anspruch, siehe Mutterschaftsleistungen- Zitat der TKK.

Wieviele Hebammen würden diesen Satz anerkennend unterschreiben ?
Oder anders gefragt: Wieviele Entbindungen verlaufen ohne ärztliche “Hilfe”?

Der Prozentsatz schrumpft vor sich hin und die “helfenden” invasieven Eingriffe scheinen unaufhaltsam zuzunehmen.

Die natürliche Geburtshilfe von freien Hebammen kippt  in der Fläche, wie die  “Hebammen für Deutschland” treffend feststellten.

Die unter Vertrag stehenden Kreissaalhebammen sind den krankenhausinternen Dienstvorgaben
( ggf. die Auftragslage für Nabelblutspenden zu verbessern u. v. a.) und Qualitätsvereinbarungen unterworfen,die mitunter entgegen den Bedürfnissen von Frauen wirken. Individuelle, entspannte Betreuung unter der Geburt ist nicht zu jeder Wetterlage möglich. Bei Kinderplums- Wetter ( Geburtshilfe ist ein Saisongeschäft) und anderen Umständen, wie z. B. ein voller OP- Plan mit prim. Sectiones plus anstehender Spontangeburt nebst Neuaufnahme, kann es im Kreissaal- Rondell schon mal höchst turbulent zugehen und Frau Hebamme wünschte sich Rollschuhe, um schneller von einem CTG zum nächsten und anschließend zurück zum Schreibtisch zu kommen.

Die Bürokratie stellt bei Freiberuflern wie Angestellten durch die damals eingeführte EDV- Erfassung und handschriftliche Dokumentationspflicht eine Doppelbelastung dar und beansprucht einen gehörigen Zeitaufwand. Er kann problemlos das doppelte einer flotten Geburt mit Rundumpflege betragen. Zeit ist Geld, leider erhalten freie Hebammen für die Bewältigung ihres Büroberges, Archivierung und Verwaltung der Akten, bis zu 30 Jahren pro Stück, keinen Heller, obschon der Arbeitsaufwand gesetzlich gefordert wird, viel Zeit und Geld verschlingt und diese Dokumentationspflicht mit dem Beruf einer Hebamme nicht direkt in Verbindung gebracht werden kann.

Bei den Angestellten ist die Tätigkeit mit dem Stundenlohn abgegolten, ebenso wie das Kreissaalputzen und Bettbeziehen nach der Geburt. So ist es in kleineren Kreissälen üblich.

Aber Geburtshilfe in Krankenhäusern steht unter ärztlicher Kontrolle, und ich erinnere mich, dass es mancherorts als unverantwortlich gilt, ein Kind problemlos aus einer Mutter herausgleiten zu lassen, ohne ärztliche Aufsicht.

Es wirkt grotesk, wenn ein Assistenzarzt dazulernen möchte und die erfahrene Hebamme ihre zu betreuende Schwangere vor den Übungsversuchen des Jungärztes zu schützen versucht, um von der Oberärztin/ Arzt beiseite gedrängt zu werden, nach dem Moto: “Nun lassen sie den Fachmann mal dran”. Und es scheint vollkommen unerheblich, ob eine U1, ein Forceps, Saugglockengeburt, eine PDA, VU, MBU oder Kaiserschnitt geübt werden soll. Wenn es nur auf der Liste steht, welche abgearbeitet sein muss, um ein Facharztprüfungs- Zeugnis zu erlangen, ist fast alles passend.

Die Irritationen bzw. körperlichen Beschädigungen, welche Mutter und Kind noch lange nach der Geburt belasten können, sind vom ärztlichen Standpunkt aus…nicht vorhanden ? Oder tolerabel.
Wochenbetthebammen können ein Buch über die Nachfolgen ärztlicher Kunst schreiben.

Mein Tipp: schreiben Sie ein E- Book und verkaufen es auf einer bekannten Internetplattform. Es gibt garantiert viele Mitbürger und werdende Eltern, die informiert sein möchten… nicht nur aus den Eltern- Werbemagazinen.

Alle Hebammen sind qualifizierte Zeitzeugen dieser unerhörten Vorgänge rund um die Geburt…
Deshalb sind sie so unbequem für viele Interessensvertreter der Gegenseite.