Hebammenpolitik 07.06.2012

Während die Hebammen- Einkommen seit Jahren nahezu stagnieren, verachtfachten sich innerhalb von zehn Jahren die Beiträge für ihre berufliche Haftpflicht, zu welcher sie per Gesetz verpflichtet sind. Zum 1. Juli 2012 verschärft sich die Situation erneut. Die Haftpflicht für Hebammenverbandsmitglieder steigt von ca. 3.700 auf ca. 4.200 Euro und verbandsfreie Hebammen zahlen ca. 5300- 5600 Euro pro Jahr, durchgehende Schadensfreiheit natürlich vorausgesetzt. Die Allianz setzt ein Jahreseinkommen von 50 000 Euro voraus, die Haftpflicht betrüge nach Versicherungskalkulation ca. 10 % des gesamten Hebammen- Jahreseinkommens. Real sind es mehr als 20 % des Jahresverdienstes, denn gewöhniche Hebammen reichen an das fiktive Einkommen des Versicherungsunternehmens bei weitem nicht heran. Von dem verbleibenden Betrag sind Krankenkasse, DRV, BWG und Weiterbildungspflicht- Kosten plus Steuer gesetzlich zu fordern. Wie sollte eine Hebamme unter diesen Umständen 24 Stunden abrufbereit arbeitsfähig sein ? Soll sie erst Benzin kaufen, Essen oder vielleicht doch erst die Miete zahlen ? Ja richtig…Sie haben die Wahl. Gesundheitsminister Bahr, ehemaliger Sekretär des Herrn Rösler, schaut der Entwicklung, die der Lobby und weniger den betroffenen Frauen entgegen kommt, tatenlos zu. Mit dem Bürger/innen-Appell von “Campakt” drückt der e.V. seinen Protest aus und fordert eine zukunftsweisende Politik. Herr Bahr wird hiermit aufgefordert, endlich zu handeln, weil offensichtlich die Gemeinwohl- Interessen, wie beispielsweise die Wahlfreiheit des Geburtsortes und individuelle Hebammenbetreuung bedroht sind. Frauen sind Unikate und Hebammen auch. Eine Globalisierung und Vereinheitlichung der Entbindungspraktiken im Namen der “Sicherheit” wird Frauen in ihrer intimen Sphäre der Geburtsarbeit nicht gerecht. Betriebswirtschaftlich mögen Entbindungsabteilungen mit 5000 Geburten pro Jahr effektiv sein. Warum aber sollten Gebährende nicht entscheiden dürfen, ob sie eine freie geburtshelfende Hebamme hinzuziehen oder sich eine angestellte Krankenhaushebamme mit anderen Schwangeren in einem Kreissaal teilen möchten ? Die Datenerfassungen und Statistiken sprechen für sich.

Wer gibt Unternehmen und Politikern das Recht, über freiberufliche Hebammen ein subtiles Geburtsverbot zu verhängen,indem Ihnen Ausgaben gesetzlich vorgeschrieben wurden, die in unökonomischem, mitunter unlebbarem, Ausmaß dem erbringbaren Einkommen gegenüberstehen ?

Zur Protestaktion, IGES- und Info gehts hier:

www.campact.de/hebammen/sn1/signer

www.campact.de/hebammen/info/5min