Hebammenpolitik 07.06.2011

Kaiserschnitt- Ursachen und Folgen

Eine sehr lesenswerte Studie von http://www.public-health.uni-bremen.de/downloads/abteilung2/projekte/GEK_Kaiserschnittstudie.pdf

„point of no return“
Zitate aus der 176 Seiten langen Studie :

“Es hat den Anschein, dass das Thema
Wunschkaiserschnitt in den Medien eher hochgespielt wird, in der geburtshilflichen Praxis aber gemessen an der Häufigkeit ein eher nachrangiges
Problem ist….Der Begriff „Wunschkaiserschnitt“ gibt vor, dass der Wunsch nach einer operativen Geburt Ausdruck des Selbstbestimmungsrechts schwangerer
Frauen sei.

Die Literatur zeigt aber, dass hinter diesem Wunsch oft erhebliche
Ängste stehen, die zu einem Vermeidungsverhalten führen.
Eine besser plan- und kalkulierbare Operation wird der Unwägbarkeit
einer normalen Geburt vorgezogen.

Eine schwedische Untersuchung zur Frage nach Häufigkeit von Wunschkaiserschnitten zeigt, dass nur Ängstlichkeit und Depressivität sowie traumatische Erfahrungen bei früheren Geburten mit dem Wunsch nach einem Kaiserschnitt verbunden waren (Hildingson 2002)…..

Eine kontinuierliche Hebammenbetreuung unter der Geburt senkt
dagegen das Risiko, per Kaiserschnitt zu entbinden und steigert die
Zufriedenheit der Gebärenden mit dem Geburtsverlauf (Hodnet et al.,
2003)…..” Zitat Ende.

Mein Fazit:  Mediziner handeln offensichtlich nach dem Motto: Macht kommt von Machen. Aber Geburt braucht in aller Regel, neben hervorragender Behandlungs- Fach- und Sachkenntnis, Geduld und Zeit. Da wären Hebammen die erste Wahl. Geburtshilfliche Schwestern, Geburtsmediziner und OP- Säle sind keine optimale Alternative für gesunde Schwangerschaften, obschon die Kundenlenkung zu diesem ersten Markt in Wort, Schrift und Bild sehr gut funktioniert und die freie Geburtshilfe wegen der schlechteren, in Vorschriften verankerten, Rahmenbedingungen aus dem Geburtsmarkt gedrängt wird. Ich würde die Taktik als Wettbewerbsbehinderungsstrategie umschreiben.

Die von politischer Seite geäußerte Einlassung, das die Geburten zu 99 % in Krankenhäusern stattfinden und die Frauen es so gewählt haben, zeigt nur einen erfolgreichen, in die Realität umgesetzten, großflächig angelegten Marketing- Effekt. Die Besucherzahlen des neu eingerichteten BeleghebammenVerzeichnisses zum schnellen Auffinden freiberuflicher Hebammen deuten auf eine andere Tendenz hin. Da suchen tausende MitbürgerInnen deutschlandweit nach einer freiberuflichen Hebamme zur individuellen Geburtsbetreuung. Und haben im Laufe der Zeit zunehmend Schwierigkeiten, eine zu finden. Die Spanne zwischen Angebot und Nachfrage ist erheblich. Hat die Entwicklung auf dem deutschen Geburtsmarkt mit demokratischer Entscheidung der Frauen zu tun? Wenn es hier um exponentiele Gewinnerzielungsabsichten auf der einen Seite gehen sollte, können Hebammen dazulernen.

Da die Einkommen nach Gebührenordnung der Hebammen von der GKV und Privatversicherungen gewöhnlich gedeckelt sind, werden die freien Hebammen durch ihre Arbeit keine Millionäre. Aber auch freie Ärzte haben Schwierigkeiten, von ihrer Zifferei Gewinne zu machen und ohne IGEL´n geht es bei ihnen auch nicht mehr.

Wenn der Geburtsmarkt ist, wie er momentan ist, wird individuelle Geburtshilfe mit frei gewähltem Geburtsort zur Luxusware. Und jeder Luxus ist teuer.
Nicht nur für Hebammen, auch für Eltern…