Hebammenpolitik 06.08.2013

Die organisierte Komplizierung des Sterbens und Geborenwerdens ist auf Grund des Konzerncharakters vonOrchidee Hebammenpolitik Krankenhäusern, welche unter betriebswirtschaftlichen Rahmenbedingungen gewinneffizient zu arbeiten haben, vorgegeben. Personalfluktuation und -mangel, Überarbeitung und Überlastung, Zeitvorgaben pro Patient u.s.w. sind an der Tagesordnung. Schliesslich erwarten die Investoren jedes Jahr höhere Renditen… Transparenz versus Patientensicherheit.

Stirbt ein Baby in einem Krankenhaus, sind die Fakten, Schuldigen und Hintergründe nicht in Presseabteilungen zu finden, um zeitnah veröffentlicht zu werden. Kompetente Informationsbeschaffung zum Zwecke der Veröffentlichung gestaltet sich als illegal und schwierig. Es wird um Verschwiegenheit gebeten. Die wenigen Ausnahmen und Veröffentlichungen haben mitunter Konkurrenzbeseitigung zum Ziel, um Geburtenzahlen zu schmälern, die geburtshelfende Abteilung insolvent zu setzen und sie möglichst zeitnah und kostengünstig zu übernehmen. Solche Versuche sind nicht selten von Erfolg gekrönt und nennen sich letzendlich und sachlich Fusionierung oder Schliessung. Besteht keine Konkurrenz, besteht auch kein Anzeigedruck, und der Sterbefall wird ad acta gelegt. Das Personal ist zur Verschwiegenheit verpflichtet, auch nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses und die Presseabteilung des Hauses hält unliebsame Informationen gedeckelt. Junge Eltern sehen den Zusammenhang von Krankenhausbehandlung, Medikamentengabe und Kindstod p.p. in aller Regel nicht. Atemdepressionen des Neugeborenen mit Todesfolge wegen erheblicher Dipidolor- Überdosierung unter ärztlicher Obhut und atonische Nachblutungen unter Lebensgefahr wegen übermässiger i.v. Buscopangaben, Plazentalösungen wegen Kontraktionsmittelüberdosierung und illegale Medikamentenmischungen und Offlabelmedikamentengaben im Krankenhaus sind bekannt, aber das Personal unterliegt der Schweigepflicht….Schweigen zur Sicherung des Arbeitsplatzes.

Verstirbt ein Kind intrauterin, wird ausserklinisch unter Hebammenbeistand tot geboren und ist eindeutig nicht reanimierbar, so ist diese Hebamme im höchsten Maße gefährtet, kriminalisiert, angezeigt und verklagt zu werden. In Großbritanien wurde eine Hebamme in zwei Fällen und mindestens 62 Punkten vom Hebammenverband angezeigt. Die Hebamme verteidigte sich bei Gericht gegen die Anzeige des Hebammenverbandes und die damit einhergehende Kriminalisierung. Das Verfahren dauerte drei Jahre und…die Hebamme gewann den Prozess. Sie wurde für unschuldig befunden. Kein Zeitungsreporter, keine Presse, kein Journalist oder Fernsehreporter ließ sich nach dem gewonnenen Prozess vor dem Gerichtsgebäude sehen. Die Freunde und Kolleginnen standen da, um der Hebamme für ihren Erfolg zu gratulieren. Haben Sie den Fall in der Tagespresse gelesen ?

Auch in Deutschland läuft eine Anklage gegen eine Hebamme. Es handelt sich im deutschen Fall, wie im englischen, um eine ausserklinische Geburt. Das Kind verstarb intrauterin, wurde tot geboren und war offensichtlich nicht reanimierbar. Die Hebamme forderte p.p. einen Neonatologen an, um sich abzusichern und geklärt zu haben, warum das Kind gestorben ist. Stattdessen kam ein Arzt des Krankenhauses. Dieser Arzt verständigte die Kriminalpolizei und schickte den später eintreffenden Neonatologen, unbemerkt von der Hebamme, wieder fort. Es wurden keine Untersuchungen p.p. vor Ort vorgenommen und per Labor ausgewertet. Die Hebamme bestellte den Neonatologen wohlweislich, denn er sollte klinische Untersuchungen durchführen. Die genaue Sterbeursache und der Zeitpunkt des Todes sind nicht bekannt. Es kam nach Hinzuziehung des Krankenhausarztes zur Übernahme des Falls durch die Kriminalpolizei und zu einer Anzeige bei der Staatsanwaltschaft. Weshalb der Strafansatz von der Staatsanwaltschaft so hoch angesetzt wurde…Einer Hebamme darf soetwas, egal ob verschuldet oder unverschuldet, nicht passieren und schon gar nicht, wenn sie den Beruf des Arztes gegen den einer Hebamme eingetauscht hat.

Geburtszwischenfälle kommen vor. Allein in einem Jahr wurden von einem gesetzlichen Krankenversicherungsunternehmen 22 Geburts- Schadensfälle bearbeitet, wovon 21 Fälle dem Ärztestand angelastet wurden und zu prüfen waren. Ein Fall entfiel auf die Hebammentätigkeit. Aber dieser jetzt stattfindende Prozess gegen eine freiberufliche Hebamme ist etwas besonderes. Die betroffene Hebamme war seit über dreißig Jahren geburtshilflich schadensfrei und qualifiziert. Nicht nur als Hebamme, sondern auch als gynäkologische Fachärztin mit Klinikerfahrung und jahrzehntelanger Hausgeburts- und Lehrerfahrung. Wie die spezialisierte Qualifikation und langjährige Berufserfahrung vermuten lässt, war sie eine Koryphäe auf geburtshilflichem Gebiet und landesweit bekannt. Die Anklage der Staatsanwaltschaft lautet ” Totschlag”. So etwas hat es hierzulande noch nie gegeben. Dass diese Anklage von Interessensvertretern zum Präzedenzfall erhoben und verarbeitet werden wird und damit die ausserklinische Geburtshilfe unter weitere Kontroll- und Überwachungsinstanzen gerät, ist alles andere als unwahrscheinlich. Von einem Hebammenverband oder der Versicherung hat eine so betroffene Hebamme keine Hilfe zu erwarten. Eine Hebamme die glaubt, derart nie betroffen zu sein, werfe den ersten Stein.

Die Verfahrenskosten sind mehr als erheblich, vielleicht 17 000 Euro… Sei es, wie es ist. Es ist sicher weise, dieser Hebamme mit Unterstützung statt Agonie zu begegnen, im Interesse aller Hebammen und werdenden Eltern, die sich beim nächsten Kind einen geburtshelfenden Beistand wahlweise wünschen, siehe

https://www.betterplace.org/de/projects/13621-inititative-selbstbestimmte-geburt