Hebammenpolitik 06.08.2011

Eine Hebamme ohne Geburt ist wie ein Kapitän ohne Schiff und eine Geburt ohne Hebamme ist wie ein Schiff ohne Käpt`n.

Mehrmals pro Woche erhalte ich Emails und Telefonate von verzweifelten Schwangeren, die eine Hebamme zur Schwangerschaftsvorsorge und zur Geburtsbegleitung händeringend suchen und auch Wochenbetthebammen sind zeitweise ausgebucht und nicht verfügbar, wie zum Beispiel jetzt in der Urlaubszeit.

Das subtile Berufsverbot belastet die arbeitswilligen Hebammen, so dass sie gegen ihren Willen die Geburtshilfe aufgeben oder gar nicht in die Verlegenheit kommen, als freie Hebammme in der Geburtshilfe zu arbeiten. Die Schwangeren berichten mir aus ganz Deutschland das selbe Szenario. Am besten melden Sie sich bei Kinderwunsch an, lange bevor der Schwangerschaftstest positiv ausfällt. Dann haben Sie vielleicht noch die Chance einer individuellen Geburtsbetreuung mit einer freiberuflichen Hebamme. Entgegen der Annahme von PolitikerInnen
besteht kein Mangel an Nachfrage, sondern ein Mangel an ” echten” Hebammen.
Was meinen Sie , haben tausende BesucherInnen binnen eines Jahres im www.BeleghebammenVerzeichis.com gesucht ? Sehr wahrscheinlich eine freie Hebamme für die 1:1- Betreuung. Das aktuelle Verhältnis ist 89.072 : 9.

Das zunehmend mangelhafte Hebammen- Angebot dürfte die, wie Pilze aus dem Boden sprießenden, GmbH´s, e. V.,Telefonservice der Krankenkassen ( z.B. die hebammenfreundliche Securon), 24- Hotline- Service von Babyprodukteherstellern sehr freuen. Auch Any Care, Pro Mamma und alle Outsourcing- Unternehmen der Stadtverwaltungen und der Jugendämter,  Wohlfahrtspflegeverbände, DRK, Paritätische und Krankenhaus- Konzerne dürften sich einer zunehmend guten Auftragslage zur Versorgung und Beratung von Schwangeren, Müttern und Kindern erfreuen.

Nachdem ich die UNO, WHO, alle Landes- Petitionsausschüsse, alle auffindbaren Versicherungen, das Bundesministerium für Gesundheit, alle Landes- Verbraucherzentralen, den Bürgerbeauftragten der EU- Kommission, den Vorsitzenden des Dachverbandes der Versicherungen und den Versicherungsombudsmann e.V. in Berlin…angeschrieben habe, bin ich mir sicher: Das Thema “freie Hebammen mit Geburtshilfe” wird von Deutschland bis Brüssel wie eine heiße Kartoffel gehandelt und niemand ist bereit, sich freiwillig die Finger zu verbrennen. Sie wissen um die Problematik, denn sie sind alle, mitunter mehrmals informiert worden. Aber ihre Antworten bleiben aus oder klingen wie eine systemisch organisierte Verantwortungslosigkeit, verpuffen ohne Nachhall ….bis heute.

Hier ist Organisation und Optimierung von Hebammenseite angesagt, Optimierung und Vergütung des Arbeitszeitaufwandes für bürokratische Nebentätigkeiten, der Beschluss ökonomischer Berufhaftpflichtprämien für alle Hebammen und eine zielgerichtete kooperative Zusammenarbeit, um die Lobby und den Berufsstand der Hebammen zu stärken. Die Klientel wird von dem Leistungsangebot der Hebammen unzureichend informiert, sie hat sehr beschränkte Kenntnis von den von der GKV zu übernehmenden Diensstleistungsangeboten einer Hebamme.

Damit spart die GKV natürlich einiges an Ausgaben ein und wird dieser Logik entsprechend, weniger motiviert sein, tausende Euro für Werbekampanien auszugeben, welche den genauen Leistungsumfang von Hebammentätigkeiten publizieren. Die Konkurrenz tut es ohnehin nicht. Es gibt einige Unternehmen und Subunternehmen, die kostengünstiger und kommerzieller arbeiten, als es Hebammen je tun würden. Kooperationsfreundliche Firmen und Unternehmen sind vornehmlich auf ihren Vorteil bedacht. Sollten Hebammen die gesellschaftliche Umwälzung nicht überleben, würden sie sich ohne Wimpernzucken einen anderen Kooperationspartner nach den Hebammen suchen. Das gehört zum Geschäft. Es wäre von Hebammenseite bei diesen Geschäftsbeziehungen ausreichend Kalkulation und Vorsicht geboten, um die Berufsfreiheiten und den Marktanteil wahren zu können. Aber in diesem Punkt ist es bei den maßgeblichen Vertragspartnern der GKV schon fünf Minuten nach Zwölf, nicht nur in Hinsicht auf die Beziehungen zu den Krankenkassen und Versicherungen…

Eine freiberufliche Hebamme umschrieb heute den aktuellen Zustand so, Zitat: “Bei unserem Hebammenwesen ist es wie in einem Armeisenhaufen, nur diese Tierchen haben ein System, wir nicht!!!!!”
Die Ausrufezeichen sind nicht forciert, die sind original, was darauf hinweisen könnte, dass sie es sehr ernst meint.

Der heutige Trend geht in Richtung Abhängigkeit: vom Arbeitgeber, von der Versicherung, vom Verband, vom Honorarauftraggeber oder Jugendamt, DRV, BWG, Bund, GKV…. Selbst die zusätzlichen/ privaten Dienstleistungen einer Hebamme versucht der Gesetzgeber in Gesetze zu verankern und zu deckeln. Haben Sie schon mal einen Arzt gesehen, der sich die Gebühren für seine IGEL- Leistungen vom Gesetzgeber vorschreiben lässt ? Freiberuflichkeit hat etwas mit freier Preisgestaltung, Innovation, Wettbewerb, allgemein mit Unternehmertum zu tun.

Lassen Sie uns geeignete Wege  finden, um den uralten Beruf der Hebammen im Interesse mündiger Frauen und aller, auch freien und “echten” Hebammen zu erhalten. Denn GTA oder GMA gründen, nach amerikanischer Manier, irgendwann ihren eigenen e. V., dann würden die heutigen Hebammenverbände in Zukunft überflüssig.

PS: Geburtshilflich- technische Assistentin = GTA
Geburtshilflich- medizinische Assistentin = GMA