Hebammenpolitik 06.05.2012

“Annahmesperre: Risiko Hebamme mit Geburtshilfe”
Die Betonung liegt nicht auf Risiko, sondern auf Hebamme.
Ob Sie als Hebamme zeitlebens schadensfrei waren, ist bei diesem Thema gänzlich unerheblich,
denn es handelt sich um eine geschäftspolitische Kreation.
Im Oktober 2010 war vielen alteigesessenen Versicherungs- Mitarbeitern
die erfolgte Änderung nicht bewußt. Eine langjährige Generali- Mitarbeiterin
wollte mir eine Hebammenhaftpflicht verkaufen und stellte mit Entsetzen fest,
dass der Berufshaftpflichtvertrag aus der Generali- Angebotspalette gelöscht war.

In der soeben veröffentlichten Iges- Studie finden Sie auf Seite 147 eine Angabe des DHV, dass es in der Jahresmitte 2011 vier Versicherer 1. Gothaer 2. Allianz 3. Nürnberger 4. Bayrische Versicherungskammer/R+V für freiberufliche geburtshilflich arbeitende Hebammen in Deutschland gäbe. Im Januar 2011 erhielt ich folgende Antwort der Gothaer Versicherung :

Zitat: “…zu Ihrer Anfrage habe ich Ihnen am ..01.2011 ein Angebot zukommen lassen.
Hierbei wurde eine Einschränkung auf die berufliche Ausübung “ohne Geburtshilfe” vorgenommen.
Leider ist eine Erweiterung des Versicherungsumfang unsererseits nicht möglich.
Ich bedaure die Entscheidung der Gothaer Versicherungen…;” Zitat Ende.

In verschiedenen Versicherungen, auch in Österreich, gab es langjährig bestehende Verträge für deutsche Hebammen mit Geburtshilfe. Aber ein Neuabschluss war Mitte 2011 nicht mehr möglich.

Der Öffentlichen Versicherung Braunschweig war
zum Februar 2011 der Rundschreiben- Inhalt zum Zwecke
der Versicherungsvertragsangebots- Reduktion bekannt.
Sie nahmen an, dass die kleineren Versicherungsunternehmen
die Information der Annahmesperre des “Risiko Hebamme mit Geburtshilfe” erhielten,
weil der entstehende Kostenpunkt im Geburts- Schadensfall das Unternehmen
in die Insolvenz stürzen würde, und deshalb nur die großen
Versicherungsunternehmen mit ausreichendem Finanzvolumen,
wie die Allianz, das Risiko tragen sollten.

Dazu möchte ich hypothetisch anmerken, das die Finanzaufsichtsgehörde nach VAG
( Versicherungsaufsichtsgesetz) Insolvenzsicherungsrichtlinien erlassen kann
und der Impuls zur Rundschreiben- Info ebensogut von Regierungsseite im Interesse der Versicherungswirtschaft kommen könnte.

Auch der Badische Gemeinde-Versicherungs-Verband hatte seine Vorgaben, Zitat:
“…,wir nehmen Bezug auf Ihre Angebotsanfrage vom …2011.
Anbei übersenden wir Ihnen ein Angebot zur Rechtsschutzversicherung.
Ein Angebot zur Berufshaftpflichtversicherung können
wir Ihnen aus geschäftspolitischen Gründen nicht unterbreiten.
Das Risiko der Hebamme unterliegt bei unserer Gesellschaft
der Annahmesperre;” Zitat Ende.
Offensichtlich hatte diese Versicherung auch Kenntnis.
Nach Angabe eines Versicherers haben alle inländische potentiellen Haftpflicht- Versicherer dieses Rundschreiben erhalten.

Auch anderen Versicherungen ist der versicherungspolitische Slogan
Risiko “Hebamme mit Geburtshilfe” nicht unbekannt, Zitat:
…vielen Dank für Ihre obige Anfrage nach einer Berufs-Haftpflichtversicherung.
Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass unser Haus
das Risiko “Hebamme mit Geburtshilfe” nicht zeichnet.
Mit freundlichen Grüßen…
SV Sparkassen-Versicherung” Zitat Ende

Das der Versicherungs- Sachverhalt einen politischen und
lobbyistischen Zug haben muss, lässt sich hier gut ablesen, Zitat:

“…vielen Dank für Ihre Anfrage. Da wir grundsätzlich
keine Heilberufe versichern, können wir Ihnen
für Ihre Tätigkeit kein Angebot abgeben.
Nun ein persönliche, private Einschätzung, da wir keine Beratung
im Bereich Versicherungen für “Endkunden” machen dürfen.
Nach meiner Kenntnis ist es sehr schwer, für Ihre Tätigkeit
eine Versicherung zu bekommen.
Ich habe mich einmal bei einem ehemaligen Kollegen schlau gemacht,
welcher ein Spezialist für Heilwesenversicherungen ist.
( Selbst in seinem Unternehmen wird kein Versicherungsschutz
für Hebammen mit Geburtshilfe angeboten )
Nach seiner Einschätzung ist der derzeit günstigste Versicherungsschutz
nur über einen der zwei Berufsverbände der Hebammen zu erhalten.
Alle anderen Versicherer zeichnen dieses Risiko gar nicht,
nicht mal diejenigen, die Heilberufe versichern, oder zu sehr hohen Beiträgen.
Mir ist bewusst, dass die ca. 3.800 € p.a. über den Berufsverband schon
sehr hoch sind, aber dieser Beitrag soll, im Verhätnis zu anderen Anbietern, noch günstig sein.
Gibt es vielleicht eine Möglichkeit, sich über Ihren Hauptarbeitgeber ( Krankenhaus ) zu versichern?
Es tut mir sehr leid, dass ich Ihnen keine anderen Hinweise geben kann.
Als persönlich betroffener, unsere Tochter ist jetzt ein Jahr alt,
finde ich es unglaublich verantwortungslos und schlecht,
wie man mit Ihnen und ihren BerufskollegInnen umgeht.
Bei der Geburt und bei der Nachsorge hat uns unsere Hebamme so viel Kraft,
Zuspruch und Unterstützung gegeben, dass wir im Grunde ewig in ihrer Schuld stehen.
Es ist ein gesellschaftspolitischer Skandal, wie mit Ihnen umgegangen wird.
Leider hilft diese Erkenntnis nicht, denn auch wir versichern dieses Risiko nicht.
Viel Erfolg bei der weiteren Suche…” u.s.w.
Zitat Ende

Es ist aus den erhaltenen Informationen nicht sicher nachvollziehbar, ob die
Annahmesperre eine Empfehlung oder eine Auflage darstellte.
Telefonisch erfragt, stellte sich der Umstand als Dienstanweisung dar.

Ausländische Versicherungsunternehmen, ob hebammenrelevant oder nicht,
haben ihre Arbeit 2010/ 11 in Deutschland zunehmend eingestellt und
es machte den Eindruck, als wenn sie wie die Ratten das sinkende Schiff
verlassen würden. Die ausländischen Versicherer zogen sich aus dem Geschäft
und aus der Verantwortung. Die inländischen Versicherungen wirkten wie
wie ein großes Spinnennetz, miteinander verschachtelt, eingebunden. Im Jahr 2009 hatten ca. 32 Versicherungen ein Berufs-Haftpflichtangebot für Hebammen parat. Einen freien Wettbewerb und Wahlmöglichkeiten habe ich ab 2010 weltweit vergebens gesucht,z. B. Zitat einer ausländischen Versicherung:

“vielen Dank für Ihre Anfrage vom 10.02.2011, die heute bei uns einging.
Wir müssen Ihnen leider mitteilen, dass L..G das operative Geschäft
in Deutschland zum 01.03.2011 einstellt. Einen entsprechenden Hinweis
finden Sie auf der Website …Wir wünschen Ihnen viel Glück und Erfolg für Ihre Zukunft.
Alles Gute!
Mit freundlichen Grüßen
L..Service-GmbH
Kundenservice” Zitat Ende

Eine Versicherungsmaklerin sah das Problem der schwindenden Versicherungsanbieter
bei den zunehmenden Schadensfällen. Die Schadensfall- Propaganda
funktionierte offensichtlich hervorragend, Zitat:
“…wir können Ihren Unmut durchaus verstehen und bedauern,
Ihnen mit keinem adäquaten Angebot weiterhelfen zu können.
Leider sind uns dahingegen die Hände gebunden und wir können nur anbieten,
was uns die Versicherer zur Verfügung stellen. Diese sind leider in den letzten 2 Jahren
fast alle von dem Risiko der Hebammen mit Geburtshilfe aufgrund
massiver Schadenfälle/Schadenrückstellungen zurückgetreten.” Zitat Ende

Diese Maklerin hatte keine Handhabe, um an die von der Securon bereitgestellten
Versicherungsprodukte für Hebammen heranzukommen…Konkurrenz eben.
Die Securon ist selbst auch nur ein Maklerunternehmen der Versicherer.
Wir Aussenstehenden kommen an die Infos nicht so einfach heran.
Schreiben und Telefonat des Dachverbandes der Versicherungen
glichen einem gekonnten Ausweichmanöver.

“… mein Verdacht, dass die Versicherungen auf höchster Verwaltungsebene
ein Komplott gegen die Hebammen geschlossen haben, erhärtet sich nach und nach.
Eine Versicherungsmitarbeiterin erzählte mir, dass ein Rundschreiben
an alle Versicherungen ergangen ist, in dem steht, dass freie geburtshilflich arbeitende Hebammen
(bis auf die bisher auffindbaren zwei Ausnahmen Securon- Versicherungsmakler und Allianz- Versicherung )
von den übrigen Versicherungen wegen des hohen Risikos
nicht mehr versichert werden dürfen.” schrieb ich am 19.02.2011. Und weiter:

“Die Mitarbeiter kämpfen nach meinen Anfragen
um weiterhelfende Informationseinholung und laufen gegen Wände,
haben Mitteilungsverbot, dürfen keine Auskünfte geben
und sind nicht berechtigt, Angebote von Konkurrenzunternehmen einzuholen.
Heikles Thema,… ” Zitat Ende

Das Thema Hebammenversicherung ist
in den Versicherungsunternehmen unter den Mitarbeitern ein Diskussionsthema geworden.
Die Versicherungsmitarbeiter sind Bürger dieses Landes
und somit persönlich betroffen.
Wir sitzen auf einem Gletscher, der rutscht, sage ich immer. Viele ahnen es,
einige wissen es und versuchen, zur Problemlösung etwas Positives beizutragen…
Wir haben ein Problem, dass ein gesamtgesellschaftliches ist.

Die besagte geschäftspolitische Kreation erschließt neue Märkte, die erhebliche Profite generieren werden. Es entstehen ganze Kartelle um die Schwangeren und sie sind sehr begehrt, ja wahre Goldesel. Eine strategisch durchkalkulierte Kundenbindung erhält den Unternehmen auch die gewordenen Eltern als zahlende Kunden. Als Produkte- Vertreterin und Verkäuferin, Versicherungsmaklerin oder als Werbeschild zu agieren ist einer Hebamme Sache nicht wirklich, sondern in erster Linie Geburtshilfe und die Sorge um Mutter und Kind.
Aber die Wahlfreiheit von Hebammen beschränkt sich zunehmend auf zwei Alternativen: Steig aus oder fahre mit.

Was zum Teufel will, läßt sich nicht aufhalten. Ich hörte von Hebammen, die nicht mitfahren.

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