Hebammenpolitik 03.03.2011

Schnitt!
Traumatische Entbindungen und die Folgen……

Nicht selten werden Geburtstage nur noch wegen den Geschenken gefeiert. Doch dieser Tag bedeutet nicht einfach nur: da bin ich! Es ist eine Kurznotiz vielschichtiger und bedeutender Ereignisse. Dieser Tag bedeutet: so bin ich.  Ganz von den Sternen abgesehen, beeinflusst das Geburtsgeschehen unser ganzes Leben nachhaltig und bis ins tiefe Unterbewusstsein.

„Der Kaiserschnitt ist nicht sanft. Es ist ein Eingriff, der das Kind und die Mutter aus dem biologischen Rhythmus wirft. Das muss in Notfällen um der Lebensrettung willen in Kauf genommen werden. Alles andere ist aus therapeutischer Sicht unverantwortlich“ sagt Irene Behrmann, Trauma- Therapeutin, die mit Menschen auch auf deren Geburtstraumen und vorgeburtliche Erfahrungen zu sprechen kommt. “Gestresste Schwangere sollen konzentrierte, leistungsfähige und entspannte Kinder gebären,
wie soll das gehen ?“ Nicht alle Ereignisse, die Stress mit sich bringen sind vermeidbar. Aber Mutter und Kind brauchen Rücksichtnahme und Achtung, doch vor allem Gelassenheit und Natürlichkeit. Die Natur zeigt uns, wo es lang geht.“ sagt die erfahrene Frau, Mitgründerin des Greenbirth e.V. Sie machte mich auf die Folgen von Stress und traumatischen Entbindungen aufmerksam. Welche Wirkung diese auf unsere Gesellschaft und unser Menschsein in der modernen Zeit haben,
möchte ich hier für Sie zusammenfassen :

Jährlich kommen bei uns mittlerweile 200 000 Kinder durch Kaiserschnitt zur Welt.
Bei uns in Essen geht die Tendenz leider zu 40 Prozent Kaiserschnitte und 50 Prozent Dammschnitte bei Krankenhausgeburten.
Beide Einschnitte sind nicht grundsätzlich mit medizinischer Notwendigkeit zu rechtfertigen.
Nein, es sind Trends, Einstellungen, Ängste, und statt auf Erfahrung zu vertrauen, die kritiklos übernommene Haltung, sich lieber der technischen Kontrolle zu unterwerfen als auf die Geburt als natürlichem Vorgang und
in sich und die Kraft als Frau zu vertrauen.

Das hat gravierende Folgen für die Kinder, wie wir an der Auswertung einer dänischen Studie an Neugeborenen sehen.
Prof. Dieter Köhler vom wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin DGP, erläutert: „Von 35.000 Kindern, die zwischen der 37. und 41. Schwangerschaftswoche geboren wurden, kamen 2.687 durch Kaiserschnitt ohne medizinische Notwendigkeit auf die Welt, davon 788 Wunsch-Kaiserschnitte.“
Das Risiko für respiratorische Störungen (die Atmung betreffend) ist auch dann noch deutlich erhöht, wenn der Kaiserschnitt zeitlich nah am errechneten Geburtstermin vorgenommen wird… Das ist wahrscheinlich auf den beim Kaiserschnitt fehlenden Katecholamin-Stoß zurückzuführen. Diese Stresshormone werden bei einer normalen, vaginalen Geburt von der Mutter auf Grund der Kontraktionen (Wellen, Wehen) der Gebärmutter beim Durchtritt des Kindes durch den engen Geburtsweg (oder auch – nach Einsetzen der Wehen – bei einem Not-Kaiserschnitt) ausgeschüttet und stellen somit eine natürliche Begleiterscheinung dar, die auch für die Entfaltung der Lungen des Neugeborenen förderlich und notwendig sind.
So traten nach einem Kaiserschnitt rund fünfmal häufiger schwere Komplikationen auf, die eine Sauerstofftherapie oder Beatmung erforderlich machten. Bei jedem zehnten Kind, das in der 37. Schwangerschaftswoche per Kaiserschnitt geholt wurde, kam es z.B. zu einer vorübergehend gesteigerten Atemfrequenz oder auch dauerhaftem Lungenhochdruck. Bei Kindern, die ebenso früh aber vaginal entbunden wurden, konnten solche Störungen hingegen etwa viermal seltener beobachtet werden.
(Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) vom 23.01.2008)

Diese Veröffentlichung gehörte in jede Krankenkasseninformation für werdende Eltern! Irene Behrmann sagt klar: „Angesichts der Kaiserschnittzahlen ist ein Umdenken hin zu einer Humanisierung der Geburt überfällig.“

Bitte bedenken Sie: Die Störung der Atemfunktion ist stets von Ängsten begleitet. Die im Gehirn des Kindes abgespeicherte Information: Angst – Atemnot, kann in späteren Lebenssituationen jederzeit aktiviert werden und zu Angststörungen und asthmatischen Erkrankungen führen. Daraus folgt: Der Kaiserschnitt sollte ausschließlich als Notfalloperation gehandhabt werden. Die Folgen für das Kind müssen stärker als bisher berücksichtigt werden. Für medizinisches Fachpersonal und Eltern gilt: Wer die Folgen des Kaiserschnittes für Kinder nicht ernst nimmt, verstößt gegen Prinzipien der Natur. „Die Geburt des Menschen ist perfekt, sie ist durch nichts zu verbessern“ betont Irene Behrmann.

Kaiserschnitte als auch andere „gewalttätige Eingriffe“, wie es viele Eltern mir gegenüber bezeichnen, wie routinemäßige Dammschnitte, Dauerüberwachung und Bettpflicht ohne das Recht, dem eigenen Gefühl, sich bewegen zu wollen, nachgeben zu dürfen, haben tiefenpsychologische, traumatische Wirkungen auf Kind und Mutter…und auch den Geburtsbegleiter.
Der Körper erinnert sich: Plötzliche Rückenschmerzen treten oft noch Jahre nach einer PDA auf. Dammschnitte führen nicht selten zu sexuellen Problemen, bedingt durch Narben, aber auch durchtrennte Nerven, ähnlich wie Taubheit im unteren Bauchbereich nach Kaiserschnitt. Der weibliche Körper hat ferner nach einer stressigen Geburt erwähnenswert häufig einen unausgewogenen Hormonhaushalt, der die Verzögerung oder das Ausbleiben des Milcheinschusses, Schlafstörungen, fehlende seelische Mutter- Kind Bindung und Depressionen zur Folge haben kann. Die Beziehung wird auf harte Proben gestellt:
Gerät Frau unter der Geburt in Not oder wird ihr Begleiter nicht ernst genommen, können zwischenmenschliche Probleme entstehen. „Mein Partner hat mich im Stich gelassen“, „Mein Mann hat den Raum verlassen“ (ob er rausgeschickt wurde oder nicht mehr konnte, sei dahin gestellt) „Das erste Gesicht, dass unser Kind gesehen hat, war das eines fremden Arztes“ erzählen mir Eltern immer wieder.„Ich konnte mein Kind nicht beschützen“ ist ein Gefühl, dass zu viele Eltern verspüren.

Das darf nicht sein!

Was unsere Babys zum Teil erleben: Betäubungs- und Wehenmittel, Druck und Spritzen noch im Mutterleib, Angst der Mutter, Lärm, Kälte, Trennung von den Eltern, Schutzlosigkeit und klinisch saubere Anziehsachen über die zarte, noch völlig gesunde Haut, sobald alles „endlich vorbei ist“… statt ruhiger und unterstützender Begleitung ins Leben. Babys reagieren sehr häufig noch monatelang mit auffälligem Verhalten. Eltern, die z. B. ein Schreibaby haben, sollten sich umgehend fachliche Hilfe holen, damit das Baby zusammen mit seiner Mutter die Geburt verarbeiten kann.

Das war Artikel 6 von 10 aus dem Stadtspiegel Essen- West
von Augustine Ullmann und Irene Behrmann, Vorsitzende des Ggreenbirth e.V

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