Hebammenpolitik 02.03.2011

Die Freiberuflichkeit ist selbstorganisiert, eigenverantwortlich gestaltbar und offen für allerlei Innovationen, Sie hat natürlich auch einige Nachteile, wie alles im Leben zwei Seiten hat: ewige Rufbereitschaft, ungünstige Arbeitszeiten, schwankende Einkommen, hohe Sozialabgabenlast u.s.w. Wenn die Möglichkeit bestünde, ein Angestelltenverhältnis zu erlangen, unbefristet in Vollzeit zu einer guten Bezahlung, würden sicher viele Freiberufler tauschen. Leider haben Zeitarbeitsfirmen die Nischen besetzt und teilzeitbeschäftigte Hebammen die Arbeitsplätze. Befristete Arbeitsverträge sind auch im Hebammengewerbe an der Tagesordnung. Die soziale Unsicherheit ist auf beiden Seiten vorhanden.

Weil die Banken den Freiberuflern im Allgemeinen ungern Dispokredite und Kredite wegen fehlender Sicherheiten einräumen, ist die sorgenfreie Berufsausübung sehr erschwert. Sollte es zu Zahlungsengpässen kommen, sind Freiberufler von Seiten der Krankenkasse und Rentenversicherung und Finanzamt pfändungsgefährdet. Eine unvorangemeldete Kontensperrung mit verspäteter Informationszustellung der Pfändungsabsicht ist schon vorgekommen, obschon das Finanzamt lange zuvor von der Aussichtslosigkeit der Steuereintreibung schriftlich informiert wurde. Eine erfolgte Kontensperrung und anschließende schriftliche Pfändungsandrohung ( 7 Tagen später) wurde wegen begründetem Widerspruch des Freiberuflers vom Finanzamt zurückgenommen. Aber in solchen, von Amtswegen implizierten Notsituationen droht Arbeitsunfähigkeit und Verdienstausfall, den sich kein Freiberufler leisten kann, und eine Hebamme sich per Gesetz eigentlich nicht leisten darf !
Und wovon lebt ein Freiberufler eine Woche lang ohne Kontozugang, ohne Fahrgelegenheit, Busticket und Benzin ?
Eine Woche hungern kann gesund sein, aber eine mentale Vorbereitung auf die Fastenkur wäre wünschenswert. ALG II- oder Sozialhilfe- Anspruch entfällt in solch einem Fall bekanntlich und nach der durchschnittlichen Bearbeitungszeit der Behörde wäre ein Normalbürger ohnehin verhungert. Seinen Unmut behalten und vor dem leeren Kühlschrank verhungern, ist nicht jederfrau/ jedermanns Sache. Weil dieser Umstand immer mehr Mitbürgern dieses Landes aus verschiedenen Gründen befällt, wird die Wahrscheinlichkeit des Veränderungswillens größer:

Eine private, von der Greifswalder Tagesmutter S. Wiest eingereichte, öffentliche Online-Petition vom 10. Dezember 2008 an den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages, ein über die Konsumsteuer finanziertes bedingungsloses Grundeinkommen einzuführen, wurde bis zum 17. Februar 2009 von 52.973 Befürwortern mitgezeichnet. Am 8. November 2010 erfolgte eine öffentliche Anhörung im Bundestag. Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Bedingungsloses_Grundeinkommen
Und manche Bürger haben sich erfolgreich organisiert, zum Beispiel die Bürgerinitiative bedingungsloses Grundeinkommen e.V. (BbG) in Berlin, siehe: http://www.buergerinitiative-grundeinkommen.de. Ein zugesichertes Existenzminimum, auch und gerade für Freiberufler würde der Existenznot entgegenwirken und den Arbeitswillen erhalten,

mit freundlichen Grüßen

Liane Ullmann